Bundespräsident Steinmeier besucht früheres Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen
Berlin (dpa/bb) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das frühere Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besucht und dabei eindringlich an die Opfer der SED-Diktatur erinnert. Während seines Rundgangs durch die Gedenkstätte und nach Gesprächen mit ehemaligen Häftlingen betonte er die Bedeutung dieses Ortes. „Dies ist ein Erinnerungsort an Willkür und Gewaltherrschaft“, sagte Steinmeier. „Es ist aber auch ein Ort, an dem wir uns erinnern, dass der Wunsch der Menschen nach Freiheit am Ende nicht dauerhaft unterdrückt werden kann.“
Die Geschichte der Haftanstalt
Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR betrieb in Hohenschönhausen jahrzehntelang seine zentrale Untersuchungshaftanstalt. Politisch verfolgte Menschen mussten dort auf ihren Prozess warten und wurden in speziellen Räumen verhört. Insgesamt sperrte die Stasi in dem Komplex von 1951 bis 1989 rund 11.000 Untersuchungsgefangene ein. Die Haftbedingungen waren geprägt von Isolation, Angst und systematischer Erniedrigung.
Einblicke in die Hafträume
Steinmeier besichtigte unter anderem zwei Trakte mit Hafträumen, darunter das bis in die 1960er Jahre genutzte „U-Boot“ – fensterlose Zellen in einem Keller. Weitere Stationen waren Verhörräume, ein Gefangenentransporter und ein enger Hof, in dem die Häftlinge beim Freigang etwas frische Luft atmen oder sich bewegen konnten. Drei Zeitzeugen schilderten dem Bundespräsidenten ihre monatelange Haftzeit und berichteten von systematischer Erniedrigung, Demütigung und Schikane durch die Stasi-Bediensteten.
Zeitzeugin berichtet
Renate Werwigk-Schneider etwa versuchte 1963 und 1967 zweimal vergeblich, aus der DDR zu flüchten, und saß danach zweimal in Hohenschönhausen in Untersuchungshaft. „System war Isolation und Angstmache“, schilderte sie. „Am schlimmsten waren die Glasbausteine im Zellenfenster, durch die man nicht nach draußen schauen konnte.“
Mahnung des Bundespräsidenten
Nach seinem Besuch legte Steinmeier einen Kranz an einem Denkmal für Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft nieder. Tausende Inhaftierte hätten in dem Gefängnis entsetzliches Unrecht erfahren, sagte er. Er habe großen Respekt davor, dass einige der früheren Inhaftierten sich heute etwa bei Führungen einbringen. Es sei wichtig, gerade jungen Menschen davon zu berichten und ihnen eine Mahnung mit auf den Weg zu geben: „Alles dafür zu tun, dass Verhältnisse (...) von loser Willkür statt Rechtsstaatlichkeit in diesem Lande nie wieder einkehren dürfen.“
Bedeutung für die Gegenwart
Der Besuch des Bundespräsidenten unterstreicht die anhaltende Relevanz der Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen dient nicht nur der Erinnerung, sondern auch der politischen Bildung – insbesondere für junge Menschen, die die Teilung Deutschlands nicht mehr selbst erlebt haben. Steinmeier betonte, dass die Erinnerung an das Unrecht der Vergangenheit eine Verpflichtung für die Zukunft sei.



