Pentagon-Chef Hegseth kündigt Testosteron-Programm für Soldaten an
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat angekündigt, dass alle Soldaten ab 30 Jahren bei ihrem jährlichen Gesundheitscheck künftig auf ihren Testosteronspiegel getestet werden. Bei niedrigen Werten sollen sie das Hormon verabreicht bekommen. Dies gab Hegseth am Mittwoch in einem auf X veröffentlichten Video bekannt. Der Schritt folgt einer fundamentalen Ideologie und einem prominenten Vorbild: Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der selbst Testosteron nimmt.
Hegseths Vision vom „Kriegsministerium“
Hegseth, der sich selbst als „Kriegsminister“ bezeichnet, sieht es als seine „heilige Pflicht“, den „einzelnen Kämpfer“ als wichtigsten taktischen Vorteil der USA zu bewahren. Mit dem „richtigen Testosteronlevel“ sollen Soldaten auf ihrem „absolut besten“ Niveau kämpfen. Er betont, es gehe nicht um künstliche Leistungssteigerung, sondern um beste medizinische Versorgung. Sein Ministerium solle das „High-T Department of War“ werden.
Unklar ist noch, ob es Konsequenzen für Soldaten gibt, die eine Behandlung ablehnen, und ob auch Frauen getestet werden. Angesichts von Hegseths Fokus auf männliche „Krieger“ ist letzteres unwahrscheinlich, da er Frauen im Kampfeinsatz ablehnt.
Hintergrund: Vorbereitungen und Ideologie
Bereits in den vergangenen Monaten wurden Weichen gestellt: Die FDA und das Gesundheitsministerium ließen Warnhinweise auf Testosteron-Präparaten entfernen und Hürden für den Zugang senken. Laut „Military Times“ arbeitet das Pentagon an einer Vereinheitlichung der „Total Force Fitness“ mit „Technologien zur Leistungssteigerung“.
Kritiker sehen darin eine ideologische Hypermaskulinität. Die demokratische Abgeordnete Chrissy Houlahan, eine Air-Force-Veteranin, schrieb auf X: „Ich bin mir sicher, dass die Testosteron-Industrie begeistert ist. Die Steuerzahler sollten sich fragen, wer von dieser neuesten Obsession im Kulturkampf profitiert.“ Sie wirft Hegseth vor, Anweisungen aus der „Manosphere“ zu befolgen.
Medizinische Kontroversen und Risiken
Mediziner warnen vor Nebenwirkungen. Dr. Mohit Khera, Urologie-Professor am Baylor College of Medicine, sagte der BBC: „Der Schlüssel ist, dass viele junge Männer einen niedrigen Testosteronspiegel haben, was sie in Bezug auf Muskelmasse und Energie benachteiligt. Aber man muss vorsichtig sein und darf nicht einfach Testosteron geben, es sei denn, es liegen Symptome vor.“ Er warnte: „Wenn junge Männer Testosteron einnehmen, kann es sie unfruchtbar machen.“
Laut NBC News zeigten frühere Studien, dass Testosteron-Therapie mit Schlaganfällen und Herzinfarkten in Verbindung gebracht werden kann. Eine Studie von 2023 fand jedoch kein erhöhtes Risiko. Die FDA ergänzte im vergangenen Jahr einen Warnhinweis zu erhöhtem Blutdruck. Medizinjournalist Christoph Specht erklärte gegenüber ntv, dass ein gesunder Lebensstil oft ausreicht, um einem Mangel entgegenzuwirken.
Parallelen zum Doping-Skandal bei den Navy Seals
Erst vor wenigen Jahren waren leistungssteigernde Substanzen im US-Militär Gegenstand eines Skandals. Bei den Navy Seals starb 2022 ein Rekrut während der „Höllenwoche“. In seinem Auto wurden Testosteron und andere Substanzen gefunden. Daraufhin führte die Marine regelmäßige Zufallstests auf Steroide ein. Nun vollzieht Hegseth eine Kehrtwende: Die Verwendung solcher Substanzen wird zur alltäglichen Praxis.
Fundamentalistischer Glaube als Triebfeder
Hegseth ist Anhänger eines fundamentalistischen christlichen Glaubens. Er teilt Beiträge des radikalen Pastors Doug Wilson, der Frauen das Wahlrecht abspricht und sie auf das Gebären von Kindern reduziert. Für diese Auslegung ist ein hoher Testosteronspiegel das Sinnbild für den starken Mann, der seine Familie beschützt und gegen Andersgläubige in den Krieg zieht.



