Tod von Haitianerin nach ICE-Entlassung als Tötungsdelikt eingestuft
Daphy Michel war psychisch krank, sprach kaum Englisch und wurde im Februar in Pittsburgh auf der Straße zurückgelassen. Drei Tage später starb sie an Unterkühlung. Die Rechtsmedizin in Allegheny County stufte den Fall als Tötungsdelikt ein.
Hintergrund des Falls
Daphy Michel, eine 31-jährige Haitianerin, wurde am 2. März an einer Bushaltestelle in Pittsburgh gefunden und ins Krankenhaus gebracht, wo sie wenig später verstarb. Die Obduktion ergab Unterkühlung als Todesursache. Die Rechtsmediziner erklärten, der Tod sei durch das Handeln Dritter verursacht worden, betonten jedoch, dass dies keine strafrechtliche Beurteilung sei.
Michel war 2022 an der Südgrenze der USA eingereist und hatte Asyl beantragt. Ihr wurde vorübergehender Schutzstatus gewährt. Eine Anhörung zu ihrem Fall war für zwei Wochen nach ihrem Tod angesetzt. Die Rechtsmediziner beschrieben Michel als schutzbedürftige Person, die zum Zeitpunkt ihrer Entlassung aus ICE-Gewahrsam am 27. Februar an schweren psychischen Problemen und erheblichen Verständigungsschwierigkeiten litt.
Kritik an ICE
Ein Anwalt der Familie kündigte an, dass die Angehörigen die US-Einwanderungsbehörde ICE verklagen werden. Michel war im Sommer zuvor festgenommen worden, weil sie aufgrund ihrer Erkrankung imaginäre Menschen angeschrien hatte. Nach sechs Monaten im Gefängnis von Washington County und mehreren psychiatrischen Untersuchungen sah ein Richter keine Grundlage für eine Anklage. Daraufhin nahm ICE sie fest, brachte sie nach Pittsburgh, legte ihr eine elektronische Fußfessel an und entließ sie.
Eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums wies jede Verantwortung von sich: „ICE hatte nichts mit dem Tod dieser Frau zu tun. Sie starb drei Tage, nachdem ICE mit ihr Kontakt hatte.“ Sie bezeichnete Michel als „illegale Ausländerin aus Haiti“ und behauptete, sie sei mit einem voll aufgeladenen Handy und bei sonnigem Wetter entlassen worden. Laut CBS News lag die Höchsttemperatur am Entlassungstag jedoch bei etwa 13 Grad, die Tiefsttemperatur bei minus 4 Grad. Am Todestag lag das Maximum bei 2 Grad und das Minimum bei minus 7 Grad.
Reaktionen und Forderungen
Die Bezirksvorsitzende von Allegheny County, Sara Innamorato, bezeichnete Michels Tod als „eine Tragödie, die mit ein wenig Menschlichkeit völlig vermeidbar hätte sein können“. Der Fall wirft erneut Fragen zur US-Migrationspolitik auf und zeigt die Gefahren für schutzbedürftige Personen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde auf.



