Gut zwei Wochen nach dem Tod des US-Senators Lindsey Graham hat Präsident Donald Trump den Republikaner als respektierten Staatsmann gewürdigt. Trump sagte am Dienstag bei der Trauermesse in der Nationalkathedrale in Washington, Graham habe es aus einfachen Verhältnissen zu weltweiter Anerkennung gebracht. An der Gedenkfeier nahmen unter anderem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu teil. Graham galt als großer Unterstützer von Israel und der Ukraine.
Trumps Rede: Lob und Seitenhiebe
„Mehr als 30 Jahre lang ist in dieser Hauptstadt nichts von Belang geschehen, ohne dass Lindsey Graham davon wusste“, sagte Trump vor tausenden Trauergästen. „Nichts von Bedeutung ist irgendwo auf der Welt passiert, ohne dass Lindsey Graham eine Meinung dazu gehabt hätte.“ Trump nannte den Republikaner Graham „einen Freund, den niemand von uns je vergessen wird“. In seiner launigen Trauerrede spielte Trump allerdings auch auf Spannungen im Verhältnis zu dem neun Jahre jüngeren Top-Senator an. Als Graham ihn 2016 im Präsidentschaftswahlkampf kritisiert habe, habe er dessen private Handynummer in einer Rede erwähnt, sagte Trump. „Sein Telefon ist förmlich explodiert“, erzählte der Präsident unter dem Gelächter einiger Trauergäste.
Grahams Haltung zu Kriegen
Zudem habe Graham Kriege geliebt, sagte Trump in Anspielung auf die harte Linie des Senators gegenüber Russland und dem Iran. „Er war extrem kriegslüstern. Es gab keinen Krieg, den er nicht gemocht hat“, sagte der Präsident, der sich selbst immer wieder als Kandidat für den Friedensnobelpreis ins Gespräch bringt. Graham soll im Senat für Spaß gesorgt haben Bei einer vorherigen Gedenkfeier im Kapitol hatte US-Vizepräsident JD Vance Graham als umgänglichen, leidenschaftlichen und beliebten Senator gewürdigt. Im Senat habe der Republikaner mit seinen derben Witzen die Anwesenden bis hin zu Bauchkrämpfen zum Lachen bringen können.
Vance und Thune über Grahams Humor
Graham habe politische Gegner während seiner mehr als 30-jährigen Arbeit im Kongress gerne in Debatten herausgefordert, sagte Vance. Dem Republikaner aus dem Bundesstaat South Carolina sei „nicht alles in den Schoß gefallen“, und deshalb sei er „von jedem einzelnen Menschen fasziniert“ gewesen. Auch US-Senator John Thune hob den besonderen Humor von Graham bei der Trauermesse hervor: „Es gab niemanden, wirklich niemanden, der seinen Job ernster nahm als Lindsey Graham, aber es gab auch niemanden, der während der Arbeitswoche hier in Washington einen ganzen Saal besser zum Lachen bringen konnte.“
Die letzten Tage des Senators
Zuvor waren am Kapitol die sterblichen Überreste Grahams eingetroffen. Armeeangehörige trugen den mit einer US-Flagge bedeckten Sarg in die Rotunde des Kongressgebäudes, während eine Militärkapelle Stücke wie „Amazing Grace“ spielte. An der Zeremonie nahmen Parlamentarierinnen und Parlamentarier der Republikaner wie auch der oppositionellen Demokraten teil. Bei der Trauermesse wurde Grahams Sarg dann in der Kathedrale aufgestellt. Am Mittwoch soll er in seinem Heimatbundesstaat South Carolina beigesetzt werden. Der Senator war am 11. Juli überraschend mit 71 Jahren an den Folgen einer Herzerkrankung gestorben. Er hatte kurz vor seinem Tod noch die Ukraine besucht und verschärfte Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht. Graham war 1994 erstmals in das US-Repräsentantenhaus gewählt worden. 2002 zog er in den Senat ein und wurde seitdem dreimal wiedergewählt. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses.
Internationale Würdigungen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Graham nach dessen Tod als „wahren Freund“ und „Partner Deutschlands“ in der Nato gewürdigt. Netanjahu nannte Graham einen „großen Freund Israels“ und einen Kämpfer gegen den Antisemitismus. Nur einen Tag vor seinem Tod traf sich Graham in Kyjiw mit Selenskyj – es war sein zehnter Besuch in der Ukraine seit der russischen Invasion im Jahr 2022. Der ukrainische Präsident wollte im Anschluss an die Trauermesse bei Parlamentariern in Washington für die von Graham mit ausgehandelten Russland-Sanktionen werben.



