Atomabkommen ohne Schutzklauseln geplant
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump will dem Kongress in Kürze ein Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien vorlegen, das jedoch auf zentrale Schutzklauseln verzichtet. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" unter Berufung auf Regierungsvertreter fehlen in der Vereinbarung sowohl der sogenannte "Gold-Standard" als auch das "Zusatzprotokoll" der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Der Gold-Standard würde dem Königreich die Urananreicherung und Wiederaufbereitung von Brennelementen untersagen – beides mögliche Wege zur Entwicklung von Atomwaffen. Das Zusatzprotokoll ermöglicht der IAEA weitreichende und unangemeldete Inspektionen.
Milliardenaufträge für US-Industrie erwartet
Trump erhofft sich von dem Deal Milliardenaufträge für die US-Atomindustrie. Die Vereinbarung soll eine Laufzeit von 30 Jahren haben und US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern, während ausländische Konkurrenten ausgeschlossen werden. Eine zentrale Regelung sieht vor, dass US-Firmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen dürfen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie dies rechtfertigt. Die Trump-Regierung argumentiert, diese Bestimmung gebe den USA Einfluss auf das saudische Atomprogramm und verhindere dessen militärischen Missbrauch.
Widerstand im Kongress erwartet
Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe Kompromisse machen müssen, um die Vereinbarung zu erreichen. Viele Abgeordnete lehnen eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab. Der Deal dürfte daher im Kongress auf Widerstand stoßen. US-Energieminister Chris Wright hatte bereits im April 2025 bei einer Reise in die Region über einen solchen Deal verhandelt.
Rivalität mit Iran als Hintergrund
Saudi-Arabien und der Iran ringen seit langem um die Vorherrschaft in der Region. Der saudische Kronprinz hatte 2018 in einem CBS-Interview gesagt, Riad werde "so schnell wie möglich" Atomwaffen anstreben, falls der Iran dies tue. Obwohl sich beide Staaten 2023 unter chinesischer Vermittlung annäherten, bleibt das Misstrauen groß – auch aufgrund des konfessionellen Konflikts zwischen dem sunnitischen Islam in Saudi-Arabien und dem schiitischen Islam im Iran. Das Abkommen könnte ein atomares Wettrüsten im Nahen Osten befeuern.



