US-Präsident Donald Trump hat seine nur einen Tag zuvor angekündigte 20-prozentige Gebühr für Schiffsfracht in der Straße von Hormus wieder zurückgenommen. Stattdessen setzt er nun auf „massive“ Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten, wie er auf seiner Plattform Truth Social mitteilte. Die Kehrtwende erfolgte überraschend im andauernden Konflikt mit dem Iran.
Trump: Gespräche mit Vertretern aus dem Nahen Osten
Trump erklärte, er habe nach „äußerst produktiven Gesprächen“ mit nicht näher genannten Vertretern von Staaten im Nahen Osten beschlossen, die Gebühr durch Abkommen zu ersetzen. Die Investitionen seien „massiv“ und von Vorteil für die Golfstaaten. Unklar bleibt, mit wem Trump sprach und ob die Staaten den Plänen bereits zugestimmt haben.
Bei einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi sagte Trump, er sei von Menschen aus verschiedenen Ländern angerufen worden, die andere Ideen und Milliardeninvestitionen vorgeschlagen hätten. Er betonte, er möge das Konzept einer Gebühr nicht: „Ich mag das Konzept einer Gebühr nicht.“
Rückschlag für Trumps Iran-Politik
Die Rücknahme der Gebühr gilt als Rückschlag, da Trump erst am Montag die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt hatte, die iranische Häfen ansteuern. Die 20-Prozent-Gebühr sollte die Kosten für die Sicherung der Passage decken. Die Umsetzung sollte umgehend beginnen.
Die Ölmärkte reagierten weiter angespannt: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 85,37 US-Dollar, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber Montag. Kurzzeitig war der Preis auf über 87 Dollar gestiegen, nachdem er Anfang Juli noch bei rund 70 Dollar gelegen hatte.
Kritik an Trumps ursprünglichem Plan
Bereits zuvor hatte es Kritik gegeben. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO erinnerte daran, dass die Passage gemäß internationalem Recht gebührenfrei bleiben müsse. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, sagte der „Wirtschaftswoche“: „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen. Das wäre rechtlich auch nicht zulässig.“
US-Militär setzt Angriffe im Iran fort
Unterdessen griff das US-Militär in der dritten Nacht in Folge Ziele im Iran an. Iranische Medien meldeten Explosionen an der Südküste. Die USA begründeten die Angriffe mit der Verhinderung weiterer Attacken auf Zivilisten und die Handelsschifffahrt. Bei einem Angriff auf Schiffe der Vereinigten Arabischen Emirate wurde ein indisches Besatzungsmitglied getötet.
Trump deutete in einem Radiointerview an, dass die USA eine tief unter der Erde gelegene Einrichtung im Zentrum des Irans angreifen könnten, bekannt als „Pickaxe Mountain“. Wegen der Nähe zur Atomanlage Natans wird spekuliert, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Urananreicherung errichten könnte.



