Kommentar: Trumps Iran-Pakt – eher eine Absichtserklärung als ein Deal
Der US-Präsident inszeniert sich als der große Friedensstifter. In Wahrheit hat er eher Probleme gelöst, die er selbst geschaffen hat – höchstens. Von Jens Münchrath
Geradezu euphorisch reagieren die Märkte auf das Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Die Erleichterung ist zunächst nachvollziehbar – auch wenn es sich eher um eine Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges als um einen belastbaren Deal handelt.
Bislang jedenfalls oszillierte der amerikanische Präsident wochenlang zwischen apokalyptischen Drohungen gegenüber Teheran und der Ankündigung eines kurz bevorstehenden Deals, der natürlich völlig neue Maßstäbe in der internationalen Diplomatie setzen würde. Das sorgte an den Märkten vor allem für Irritationen und Ratlosigkeit.
Immerhin, jetzt sind sich erstmals beide Konfliktparteien darüber einig, dass es so etwas wie eine gemeinsame Grundlage oder einen Rahmen für detaillierte Verhandlungen gibt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Eine redliche und differenzierte Bewertung dieses Rahmens und eines möglichen Deals wird sich an zwei Kriterien bemessen lassen müssen.
Erstens: Gibt es einen Fortschritt gegenüber dem Status quo ante, also vor den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran?
Zweitens: Und sollte es wirklich Fortschritte geben, stellt sich die Frage, ob diese im Verhältnis zu den politischen und ökonomischen Kosten stehen, die dieser Krieg verursacht hat.



