Ukraine: Verteidigungsminister Fedorow nach Machtkampf mit Armeechef entlassen
Ukraine: Fedorow nach Machtkampf mit Armeechef entlassen

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entlassen. Der 35-jährige Reformer war nur ein halbes Jahr im Amt. Grund ist ein Machtkampf mit der Armeeführung, insbesondere mit Armeechef Oleksandr Syrskyj. Fedorow hatte versucht, Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow auszutauschen, was Selenskyj ablehnte. Syrskyj stellte daraufhin ein Ultimatum: Fedorow oder ich. Selenskyj entschied sich gegen Fedorow.

Hintergrund des Konflikts

Fedorow, seit 2019 ununterbrochen im Kabinett, galt als Shootingstar. Er leitete 2019 Selenskyjs Digitalwahlkampf, wurde Digitalminister und kümmerte sich um das ukrainische Drohnenprogramm. Im Januar wechselte er ins Verteidigungsministerium. Seine Aufgabe war die asymmetrische Kriegsführung gegen Russland. Doch mit Syrskyj und Hnatow überwarf er sich. Intern war kein Geheimnis, dass er sie auswechseln wollte, was er auf seiner Abschiedspressekonferenz bestätigte.

Der Konflikt zwischen Ministerium und Armeeführung war von Tag eins an programmiert. Fedorow versuchte, durch datenbasierte Bedarfsanalyse transparente Verteidigungseinkäufe zu etablieren, was bei einigen Drohnenmarktakteuren für Unzufriedenheit sorgte. Letztlich entschied Selenskyj, der Syrskyj persönlich vertraut, gegen Fedorow.

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Proteste und Kritik

Die Entlassung stößt in der Ukraine auf breite Kritik. In mehreren Großstädten gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen Selenskyjs Entscheidung zu protestieren. Fedorow wirft Syrskyj vor, die Arbeit des Ministeriums faktisch sabotiert zu haben: „Statt darüber nachzudenken, wie der Krieg asymmetrisch zu gewinnen ist, überlegte er, wie das Land gespalten werden könnte“, sagte Fedorow. Der Militäranalyst Gustav Gressel kommentierte auf X: „Unglaublich. So verliert man Kriege.“

Erfolge und Fehler

Fedorow gelangen Erfolge wie die Schaffung der „kleinen Flugabwehr“ aus Drohnen, mit der russische Langstreckendrohnen kosteneffizient abgefangen werden, sowie ein datenbasiertes Einkaufssystem und technologische Entwicklungen im Luftkrieg. Allerdings gab es auch Kritik: Seine Mobilisierungsreformideen wurden als „inhaltslos“ und „kaum bezahlbar“ bezeichnet. Sein Versuch, Syrskyj und Hnatow loszuwerden, stieß selbst in armeenahen Kreisen auf Unverständnis.

Nachfolge und Ausblick

Selenskyj wollte ursprünglich Innenminister Ihor Klymenko als Nachfolger, was in Kiew auf Entsetzen stieß. Klymenko, ein Karrierepolizist, hat schwierige Beziehungen zur Armee. Historisch gibt es eine Konkurrenz zwischen Polizei und Armee. Die Idee, den Konflikt so zu beenden, erscheint überoptimistisch. Fedorow hingegen könnte politisch gestärkt aus der Affäre hervorgehen – mit dem Image eines ausgebremsten Reformers. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, Russland könne es nicht egaler sein, wer Verteidigungsminister der Ukraine ist, doch der Ablauf der Entlassung dürfte im Kreml mit großer Zufriedenheit verfolgt werden.

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