Russland greift Schiffe in Mykolajiw an – ein Toter
Die russische Armee hat Schiffe im ukrainischen Schwarzmeerhafen Mykolajiw mit Drohnen angegriffen. Dabei sei ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, teilte die ukrainische Seehafenverwaltung mit. Es handele sich um Schiffe, die seit Beginn der russischen Invasion 2022 in Mykolajiw festgesteckt hätten. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau sprach dagegen von zwei Schiffen, die für Lieferungen an die ukrainische Armee eingesetzt worden seien. Sie seien „im Moment des Entladens von Militärgütern“ getroffen worden, hieß es in einer Mitteilung. Für diese Angaben gab es keine unabhängigen Belege.
Die ukrainischen Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj waren in den bald viereinhalb Jahren Krieg fast immer für den internationalen Schiffsverkehr erreichbar. Erst galt ein mit Russland vereinbarter Stopp von Angriffen auf Getreideexporte, später verteidigte die Ukraine aus eigener Kraft die Schifffahrtsroute. Sie kam erst in den vergangenen Tagen wegen verstärkter russischer Angriffe wieder zum Erliegen. Die Seehäfen Otschakiw und Mykolajiw in der Mündung des Dnipro liegen dichter an russischen Stellungen – die Ukraine konnte sie bislang nicht öffnen.
CSU fordert von Kiew verbindliche Gegenleistung für Bundeswehr-Hilfe
Die CSU hat von der Ukraine eine verbindliche Gegenleistung für die weitere militärische Unterstützung durch die Bundeswehr gefordert. „Die Ukraine muss klar machen, welche konkreten Schritte sie unternimmt, um die Korruption zu bekämpfen und die Hilfen effizient einzusetzen“, sagte der CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn. Ohne solche Zusagen dürfe Deutschland keine neue Waffenhilfe bewilligen. Die Forderung kommt vor dem Hintergrund der Haushaltsberatungen im Bundestag, bei denen auch die künftige Höhe der Militärhilfe für die Ukraine festgelegt wird.
Hintergrund sind wiederholte Berichte über Misswirtschaft und Korruption in der Ukraine. Die CSU verlangt daher eine „transparente und nachvollziehbare Verwendungsnachweise“. Die Bundesregierung hatte zuletzt weitere Waffenlieferungen im Wert von über einer Milliarde Euro zugesagt, darunter Panzerhaubitzen und Munition.
Ukraine treibt europäische „Patriot“-Alternative voran
Das europäische Raketenabwehrsystem „Freyja“ zur Ergänzung des US-Systems „Patriot“ soll nach dem Willen der Ukraine im kommenden Jahr vorläufig einsatzbereit sein. „Wir wollen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eine erste funktionsfähige Version fertig haben“, sagte der Vizesekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Dawyd Alojan, der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist ein Prototyp, der bereits erste praktische Ergebnisse zeigen kann.“ Ein internationaler Lenkungsausschuss zur Abschätzung der Forschungs- und Entwicklungskosten solle in Kürze erstmals zusammentreffen.
Zehn europäische Staaten und rund ein Dutzend Rüstungsunternehmen hatten am 13. Juli in Paris eine Allianz zum Ausbau der Luftverteidigung geschlossen. Kernprojekt ist das System „Freyja“, mit dem die Partner ihre Abhängigkeit von den knappen „Patriot“-Systemen aus den USA verringern wollen. Die Ukraine ist zur Abwehr russischer ballistischer Raketen bisher vollständig auf „Patriot“-Raketen angewiesen, deren Nachschub jedoch stockt. Russland hatte dies zuletzt bei wiederholten Luftangriffen auf Kyjiw und Odessa ausgenutzt.
EU erwägt Abkehr von großen Sanktionspaketen gegen Russland
Die Europäische Union könnte ihr Verfahren zur Verhängung von Sanktionen gegen Russland ändern und künftig statt großer Gesamtpakete einzelne Maßnahmen oder kleinere thematische Pakete beschließen. Wie die Financial Times berichtet, wird dieser Ansatz in der EU-Kommission und von besonders ukrainefreundlichen Mitgliedstaaten diskutiert. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Länder wegen einer umstrittenen Maßnahme sämtliche Sanktionen verzögern. Auslöser der Debatte war die mehrwöchige Blockade des 21. Sanktionspakets durch Griechenland. Athen verlangte eine Ausnahme für die Reederei Dynagas, die russisches Flüssigerdgas transportiert. Griechenland stimmte dem Paket erst zu, nachdem dem Unternehmen erlaubt worden war, auf Grundlage von Verträgen aus der Zeit vor Beginn der russischen Großinvasion weiterhin russisches LNG in Drittstaaten zu befördern.
Befürworter des neuen Ansatzes argumentieren, gezielte Einzelmaßnahmen könnten schneller beschlossen werden, ohne dass ein nationales Veto sachlich voneinander unabhängige Sanktionen aufhalte. Das Einstimmigkeitsprinzip unter den 27 EU-Staaten bleibt jedoch bestehen, sodass ein neues Format das Vetorecht nicht vollständig beseitigen würde.
Russland: Fünf Tote durch ukrainische Drohnen in Rostow
Bei einem ukrainischen Angriff mit hunderten Drohnen auf Rostow am Don im Südwesten Russlands sind russischen Behörden zufolge in der Nacht zum Montag fünf Menschen getötet und weitere verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hätten ein Exportterminal in der Region Rostow angegriffen. Zudem habe die ukrainische Armee Ölanlagen in den Regionen Jaroslawl und Udmurtien tief im Landesinneren attackiert. „In der vergangenen Nacht waren unsere Langstrecken-Sanktionen in der Region Rostow wirksam. Ein etwa 250 Kilometer von der Frontlinie entfernter Exportterminal wurde getroffen“, schrieb Selenskyj auf Facebook. Die Einsatzkräfte hätten nach dem Angriff in Rostow am Don „drei weitere Todesopfer, darunter ein Kind“ in den Trümmern eines Wohngebäudes gefunden, schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sliussar, im Onlinedienst Telegram. Zuvor hatte er die Zahl der Toten noch mit zwei angegeben und erklärt, dass bei dem nächtlichen Luftangriff „ein Ehepaar“ getötet worden sei. Fünf Menschen seien verletzt worden, darunter ein Jugendlicher.
Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe im und um das Schwarze Meer sowie das Asowsche Meer in den vergangenen Wochen verstärkt. Beide Seiten griffen dabei zahlreiche Schiffe an, darunter Öltanker und Frachter.
Frachtschiff „Golden Leo“ vor Odessa gesunken
Vor Odessa ist das Handelsschiff „Golden Leo“ gesunken, das am 19. Juli beim Verlassen des Hafens Tschornomorsk über den ukrainischen Seekorridor von Russland angegriffen worden war. Wie die ukrainische Schifffahrtsbehörde mitteilte, wurden der Rumpf und die Aufbauten schwer beschädigt. Das Schiff verlor dadurch seine Seetüchtigkeit. Zum Zeitpunkt des Untergangs befanden sich keine Menschen mehr an Bord. Die „Golden Leo“ fuhr unter der Flagge von Guinea-Bissau und hatte ukrainischen Mais geladen. Nach Angaben der ukrainischen Seite wurde das Schiff von drei russischen Raketen getroffen. Neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse kamen ums Leben, acht weitere Seeleute wurden evakuiert. Die Ukraine informierte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation und den Reeder über den Angriff. Der Untergang ereignete sich vor dem Hintergrund einer deutlichen Zunahme russischer Angriffe auf die zivile Schifffahrt. Nach ukrainischen Angaben wurden im vergangenen Monat 28 Schiffe angegriffen, die Häfen im Gebiet Odessa anliefen oder verließen.
Ukraine: Zwölf Verletzte bei Drohnenangriff auf Belgorod
Bei einem Drohnenangriff auf die russische Stadt Belgorod nahe der ukrainischen Grenze werden nach Behördenangaben zwölf Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Mehrere Wohnungen in einem Wohnhaus und über 15 Autos seien in Brand geraten. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig überprüfen.
Selenskyj: Setzen Russland mit Drohnenkrieg unter Druck
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zusammen mit seinen Militärs neue Ziele für Langstreckendrohnen festgelegt, um Russland die Fortsetzung des Kriegs zu erschweren. Hauptziel sei dabei, Russland zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts zu drängen. „Wir haben der russischen Führung alle notwendigen Vorschläge unterbreitet, um den Krieg mit einem ehrenvollen Frieden zu beenden“, schrieb Selenskyj auf Facebook. Die Partner Kyjiws seien informiert. Selenskyj hob die Wirksamkeit und erhöhte Schlagdistanz der neuen ukrainischen Drohnen hervor: „Die Reichweite der Angriffe beträgt bereits mehr als 3000 Kilometer, und wir bauen unsere Fähigkeiten, über größere Entfernungen zu agieren, weiter aus.“ Bei über 1000 Einsätzen seien in diesem Jahr Raffinerien, Rüstungswerke sowie wichtige Komponenten des russischen Logistiknetzes getroffen worden.
Großbritanniens neuer Premier empfängt Selenskyj
Der neue britische Premierminister Andy Burnham empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Montag als ersten ausländischen Staatschef seiner Amtszeit. Selenskyj macht auf dem Weg nach Washington Station in Großbritannien, wo er am Dienstag mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen soll. Burnham und Selenskyj wollen einen Marinestützpunkt besuchen, um britische und ukrainische Militärangehörige zu treffen. „Großbritannien steht Schulter an Schulter mit der Ukraine, und unsere Unterstützung bleibt unerschütterlich“, erklärte Burnham. London werde nicht nachlassen, bis ein dauerhafter und gerechter Frieden für die Ukraine erreicht sei. Großbritannien kündigte zudem an, der Ukraine die Rechte an einer neuen Technik zur elektronischen Störung russischer Luftabwehrsysteme zu überlassen. Das an Drohnen befestigte Gerät mit dem Namen „Stone Cloak“ soll deren Ortung und Bekämpfung erschweren. Tausende der Geräte wurden nach britischen Angaben bereits an die Ukraine geliefert.



