Parlament verabschiedet Legalisierung von Pornografie
Die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, hat in dieser Woche ein jahrelanges Ringen um die Legalisierung von Pornografie beendet. Künftig sind Pornos in der Ukraine nicht mehr verboten. Das alte Gesetz stammte aus den 1930er Jahren der Sowjetunion und war so rigide, dass selbst das private Verschicken von Nacktfotos als Straftat galt und mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden konnte.
Hintergrund: Steuerausfälle und Korruption
Experten zufolge entgingen dem Staat durch das Verbot jährlich mindestens 20 Millionen Euro an Steuereinnahmen – eine konservative Schätzung, da genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind. Zudem lud die Regelung zum Missbrauch ein: Polizisten in fünf westukrainischen Regionen schützten Pornostudios gegen Schmiergeldzahlungen in Höhe von 20.000 Euro monatlich. Ein Mittelsmann, der zugleich Fahrer des stellvertretenden Innenministers war, erhielt zusätzlich 5000 Euro. Die Ermittlungen der Sicherheitsdienste, deren Ergebnisse Ende Mai 2026 bekannt wurden, gaben den entscheidenden Anstoß zur Legalisierung.
Pornodarstellerinnen spendeten Hunderttausende Euro an die Armee
Ukrainische Pornodarstellerinnen, die auf Plattformen wie OnlyFans aktiv sind, konnten sich bislang nicht offiziell als Einzelunternehmerinnen anmelden. Dennoch leisteten sie einen Beitrag zur Verteidigung des Landes: Aus ihren Einnahmen spendeten sie mehrere hunderttausend Euro an die Armee. Diese Spenden entfachten die Debatte über eine Legalisierung. „Die Spenden haben gezeigt, dass die Branche einen positiven Beitrag leisten kann“, sagte ein mit der Initiative vertrauter Abgeordneter.
Widerstand aus konservativen Kreisen
Gegenwind kam von eher konservativen Kräften wie der Vaterlandspartei von Ex-Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko sowie aus Teilen von Präsident Wolodymyr Selenskyjs Partei. Ein erster Gesetzentwurf zur Legalisierung scheiterte denkbar knapp. Daraufhin arbeitete eine fraktionsübergreifende Initiative einen neuen Entwurf aus, der Maßnahmen zum Schutz von Kindern enthält, etwa verschärfte Strafen für Kinderpornografie. Veränderungen im Detail sind noch möglich, aber der Grundstein ist gelegt.
Wirtschaftliche Bedeutung und Kriegskontext
Die Arbeit von Pornostudios in der Westukraine boomt, doch der Staat profitierte bislang nicht davon. Die 20 Millionen Euro Steuereinnahmen sind zwar nur ein Bruchteil des Verteidigungsbudgets von über 40 Milliarden Euro, doch unter den aktuellen Umständen kann die Ukraine auf keine noch so kleine Summe verzichten. Die Legalisierung erfolgt inmitten einer innenpolitischen Krise: Präsident Selenskyj hatte überraschend einen Regierungswechsel angekündigt, der zur Entlassung des beliebten Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow führte und die zweite große Protestwelle seit Kriegsbeginn auslöste.



