Er war das Enfant terrible des deutschen Fußballs: Uli Stein (71), Torwart-Legende mit 512 Bundesliga-Spielen, beschimpfte Schiedsrichter, verpasste Bayerns Jürgen „Kobra“ Wegmann im Supercup 1987 einen Faustschlag und musste von der WM 1986 abreisen, weil er Franz Beckenbauer „Suppenkasper“ nannte. Doch gegen neue Vorwürfe wehrt er sich nun mit einer Klage vor dem Oberlandesgericht München.
Der TV-Sender n-tv hatte 2024 auf Steins spektakulären Rauswurf bei Eintracht Frankfurt zurückgeblickt – genau 30 Jahre danach. Der Beitrag trug den Titel: „Schlimme Wahrheiten enthüllt!“ Im April 1994 war Stein mitten in der Saison entlassen worden, zusammen mit Trainer Klaus Toppmöller (heute 74).
Vorwurf: Beleidigung und Bedrohung von Jan Furtok
Laut n-tv soll Stein den damaligen Stürmer Jan Furtok beleidigt und bedroht haben: „Du Depp, du Versager, du Arschloch, du Penner. Dich mache ich als Erstes fertig!“ Furtok soll daraufhin unter Tränen erklärt haben, er habe sein Selbstvertrauen verloren und könne nicht mehr schlafen.
Stein weist Vorwürfe zurück
Stein, der per Videokonferenz zur Verhandlung zugeschaltet war, widerspricht entschieden: „Ich habe nie jemanden bedroht oder gemobbt. Das ist Blödsinn.“ Auf dem Platz habe er zwar Schimpfwörter benutzt, „aber es war nie persönlich, es ging immer nur um die Sache!“
Hauptzeuge tot – Gericht tendiert zu Teilerfolg für Stein
Was damals wirklich gesagt wurde, lässt sich heute nicht mehr klären: Jan Furtok starb Ende 2024 mit 62 Jahren an Alzheimer. Das Gericht tendiert daher dazu, der Klage Steins teilweise stattzugeben und das Löschen bestimmter Aussagen aus dem Bericht anzuordnen. Der Anwalt des Senders warnte: „Damit macht das Gericht jegliche Art von Rückblick unmöglich.“ Das Urteil soll in zwei Wochen fallen.
Stein ist jedenfalls davon überzeugt, dass ihm damals Unrecht widerfahren ist. Darin habe ihn auch Bernd Hölzenbein (†78) einige Jahre später bekräftigt: „Er sagte: ,Uli, tut mir leid. Ich hätte nicht dich, sondern die anderen rausschmeißen sollen.‘“



