Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter hat vor dem Nato-Gipfel in der Türkei erneut die Position der USA bekräftigt, dass ein Erwerb Grönlands die einzige Möglichkeit sei, den Sicherheitsherausforderungen in der Arktis langfristig zu begegnen. „Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass dies der beste Weg ist, den Verteidigungsbedarf der Nato in Bezug auf Grönland zu decken“, sagte der Beamte gegenüber Journalisten. Zugleich ließ er offen, ob weitere Optionen geprüft werden, und verwies auf „rege Marineaktivitäten“ in der Region.
Trump strebt „dauerhafte“ Lösung an
US-Präsident Donald Trump drängt auf eine „dauerhafte“ Lösung für Grönland. Der Beamte betonte: „Bislang sehen wir als einzige Lösung den Erwerb Grönlands durch die Vereinigten Staaten.“ Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, da die Grönland-Frage nach dem Iran-Krieg zunächst in den Hintergrund gerückt war. Trump hatte Anfang des Jahres offen mit einer Übernahme der strategisch wichtigen Insel gedroht und dabei notfalls auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen. Diese Drohungen nahm er später zwar zurück, hielt aber an seinen Ansprüchen fest.
Dänemark und Grönland lehnen Annexion ab
Die Regierungen Dänemarks und Grönlands lehnen eine Annexion durch die USA entschieden ab. Inzwischen haben sie Gespräche mit Trumps Regierung aufgenommen, um einen Kompromiss zu finden. Der US-Beamte betonte, dass die Nato-Partner über die Sicherheitsrisiken in der Arktis informiert seien. Die USA sehen Russland und China als Bedrohung für die Region und argumentieren, dass nur ein US-Erwerb die Sicherheit der Insel und der Allianz gewährleisten könne.
Sicherheitsexpertin Major: Grönland-Krise war „Moment der Wahrheit“
Die Sicherheitsexpertin Claudia Major vom German Marshall Fund sagte der dpa, die Grönland-Krise habe bei vielen Europäern den Eindruck verstärkt, dass die USA unilateral handelten. „Ein Alliierter bedroht die territoriale Integrität und Souveränität eines anderen Alliierten“, so Major. „Aus Sicht vieler Europäer haben de facto die USA Grönland das angedroht, was Russland mit der Ukraine macht – nämlich Souveränität und territoriale Integrität notfalls mit militärischen Mitteln infrage zu stellen.“ Der Iran-Krieg habe diesen Eindruck bestätigt und gezeigt, dass die Grönland-Krise keine Ausnahme, sondern die neue Normalität sein könnte.



