Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat ein Abkommen mit Saudi-Arabien zum Aufbau eines zivilen Atomprogramms genehmigt. US-Energieminister Chris Wright und sein saudischer Amtskollege Prinz Abdulasis bin Salman unterzeichneten den Vertrag am Mittwoch in Washington, wie das US-Energieministerium mitteilte. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 30 Jahren und soll US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern, während ausländische Konkurrenten ausgeschlossen werden.
Milliardenschwere Perspektiven für US-Atomindustrie
Präsident Trump verspricht sich von dem Deal Milliardenaufträge für die US-Atomindustrie. Laut dem „Wall Street Journal“, das als erstes US-Medium unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtete, könnte das Abkommen auch den Weg für die Urananreicherung auf saudischem Gebiet ebnen. Eine zentrale Klausel sieht vor, dass US-Unternehmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen dürfen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie zu dem Schluss kommt, dass ein solcher Schritt gerechtfertigt ist.
Kongress könnte Widerstand leisten
Die Trump-Regierung argumentiert, dass die Bestimmung den USA Einfluss auf das saudische Atomprogramm verschaffe und sicherstelle, dass es nicht für militärische Zwecke missbraucht werde. Dennoch dürfte die Vereinbarung im US-Kongress auf Widerstand stoßen. Viele Abgeordnete lehnen eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab. Der Vertrag soll in den kommenden Tagen dem Kongress zur Prüfung vorgelegt werden.
Kompromisse und Bedenken
Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe Kompromisse machen müssen, um die Vereinbarung zu erreichen. So habe er Bedingungen zugestimmt, die internationalen Inspektoren möglicherweise den Zugang zu bestimmten Standorten verwehren könnten – insbesondere dort, wo der Verdacht bestehe, dass Kernbrennstoff für Waffenprogramme abgezweigt werden könnte.
Hintergrund: Saudi-Arabien und die Region
US-Energieminister Chris Wright hatte bereits im April 2025 in der Region über einen solchen Deal verhandelt. Die USA hatten zuvor mit Saudi-Arabien über eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel gesprochen, wobei Unterstützung für ein saudisches Atomprogramm und ein Sicherheitsabkommen im Raum standen. Diese Gespräche wurden nach Beginn des Gaza-Kriegs Ende 2023 ausgesetzt. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bekräftigte jedoch ein „großes Interesse“ an einem solchen Abkommen.
Saudi-Arabien verfügt noch über kein Atomkraftwerk. In einem Interview mit CBS hatte der Kronprinz 2018 gesagt, Riad werde „so schnell wie möglich“ Atomwaffen anstreben, falls der Iran dies tue. Saudi-Arabien und der Iran ringen seit langem um regionale Vorherrschaft. Zwar näherten sich beide Staaten 2023 unter chinesischer Vermittlung an, das Misstrauen bleibt jedoch groß – geprägt vom konfessionellen Konflikt zwischen dem sunnitischen Islam in Saudi-Arabien und dem schiitischen Islam im Iran.
Aktuelle Spannungen
Im Nahen Osten ist Saudi-Arabien zuletzt mehrfach vom Iran attackiert worden. Auch die jemenitischen Huthi-Rebellen griffen einen Flughafen in Saudi-Arabien an und verhängten eine Seeblockade gegen das Nachbarland. Der Atomdeal könnte die Position Saudi-Arabiens in der Region stärken, birgt aber auch Risiken einer nuklearen Proliferation.



