US-Geheimdienste hielten es offenbar für wahrscheinlich, dass Israel während der im April 2026 in Islamabad stattfindenden Friedensverhandlungen zwischen Washington und Teheran einen Anschlag auf die iranischen Verhandlungsführer verüben könnte. Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Beamte der Trump-Regierung.
„Die Tötung hochrangiger iranischer Führungskräfte war von Kriegsbeginn an Teil der israelischen Strategie gewesen“, heißt es in dem Bericht der US-Zeitung. „Doch die Bedenken der USA hinsichtlich der gezielten Tötung zweier bestimmter iranischer Amtsträger – Abbas Araghchi, des iranischen Außenministers, und Mohammad Bagher Ghalibaf, des Parlamentspräsidenten – nahmen während der heiklen Waffenstillstandsverhandlungen, die im April begannen, stark zu.“
USA baten Regionalstaaten um Warnung an Iran
Aus Angst, dass ein israelischer Attentatsversuch die Verhandlungen zum Scheitern bringen könnte, gingen die Vereinigten Staaten laut „New York Times“ einigen der Beamten zufolge so weit, „andere Länder in der Region zu bitten, den Iran vor der Möglichkeit zu warnen, dass Israel die beiden Beamten ins Visier nehmen könnte.“ Die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran in Islamabad im April ebneten den Weg für das Friedensabkommen im Juni 2026.
Hintergrund: Unterschiedliche Kriegsziele von USA und Israel
Hintergrund des Misstrauens zwischen den USA und Israel sind die unterschiedlichen Ziele, die die beiden Länder mit dem Krieg gegen den Iran verbinden. Dieser begann am 28. Februar mit einem israelischen Angriff, bei dem der damalige oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, und andere zentrale Akteure des Landes getötet wurden. Während die USA in der Folge auf ein Friedensabkommen drängten, verfolgte Israel das Ziel eines Regimewechsels in Teheran. Das im Juni erzielte Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran – das unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus und Gespräche über Irans Atomprogramm vorsah – wurde in Israel als Niederlage gewertet.
Israelische Kampfjets bedrohten iranische Delegation
Dass die Befürchtungen der USA bezüglich eines israelischen Anschlags auf die iranische Delegation berechtigt sind, hatte schon im April ein Bericht des arabischen Nachrichtensenders „Al-Mayadeen“ nahegelegt. Der Sender hat seinen Sitz in Beirut, vertritt eine anti-israelische und pro-iranische Haltung und hat den Ruf, der Hisbollah und der syrischen Regierung nahezustehen. Einem Mitte April von „Al-Mayadeen“ veröffentlichten Bericht zufolge wurde die iranische Delegation auf dem Flug in die pakistanische Hauptstadt Islamabad, wo die Verhandlungen mit den USA stattfinden sollten, von israelischen Kampfjets bedroht.
Ein Begleiter der Delegation erklärte damals nach Angaben der israelischen Zeitung „The Jerusalem Post“ gegenüber der libanesischen Nachrichtenagentur, man sei vor einem möglichen Angriff auf ihr Flugzeug gewarnt worden, was zu erhöhter Vorsicht während und nach dem Besuch geführt habe. Auf dem Rückweg nach Teheran nach Abschluss der Gespräche habe die Gruppe eine alternative Route gewählt, „nachdem bestätigt worden war, dass die Delegation angegriffen wurde“.
Pakistanische Kampfflugzeuge als Eskorte
Die „New York Times“ hat jetzt weitere Details dieses Vorgangs recherchiert. Demzufolge hätten die Iraner vor der Reise nach Islamabad über pakistanische und katarische Vermittler Garantien von den Vereinigten Staaten eingeholt, „dass Israel keine verdeckten Operationen gegen die iranische Delegation durchführen werde“. Pakistanische Kampfflugzeuge eskortierten die iranischen Flugzeuge, die eine Delegation von mehr als 70 Iranern beförderten, von der iranischen Grenze nach Islamabad und nach Ende der Sitzung wieder zurück.
Auf dem Rückweg nach Teheran kam es jedoch nach Erkenntnissen der US-Zeitung zu der israelischen Sicherheitsbedrohung: „Die iranischen Sicherheitskräfte teilten dem Flugzeug, das Herrn Ghalibaf zurück nach Teheran beförderte, mit, dass sie Informationen erhalten hätten, wonach Israel einen Angriff auf das Flugzeug plane und zwei israelische Kampfflugzeuge von der westlichen Grenze nahe dem Irak aus in den iranischen Luftraum eingedrungen seien.“ Das hätten zwei US-Beamte bestätigt.
Das Flugzeug führte demnach eine Notlandung in der Stadt Mashhad durch, dem iranischen Flughafen, der der pakistanischen Grenze am nächsten liegt. Die iranische Delegation reiste daraufhin etwa acht Stunden auf dem Landweg zurück nach Teheran. Trotz allem führten Irans Außenminister Araghchi und Parlamentspräsident Ghalibaf die Verhandlungen fort – zuletzt in Katar und in der Schweiz.



