Die umstrittene Aufhebung der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun sorgt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 für massive Kritik. Die Europäische Fußball-Union (Uefa), der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter und DFB-Chef Bernd Neuendorf äußerten sich empört. Der belgische Verband, Gegner der USA im Achtelfinale, prüft rechtliche Schritte. US-Präsident Donald Trump soll laut Medienberichten persönlich bei Fifa-Boss Gianni Infantino interveniert haben.
Uefa: „Rote Linie überschritten“
Die Uefa zeigte sich in einem Statement fassungslos über die Entscheidung der Fifa, Baloguns Sperre für ein Jahr zur Bewährung auszusetzen. „Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten“, hieß es. „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“
Blatter: „Darf niemals sein“
Ex-Fifa-Präsident Joseph Blatter (90) kritisierte den Weltverband scharf. „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim Fifa-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, Fifa?“, schrieb Blatter auf X. „Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden“, fügte er hinzu.
DFB-Chef Neuendorf fordert Aufklärung
DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte die Fifa auf, sich zu den Berichten über ein Telefonat zwischen Trump und Infantino zu erklären. „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa“, sagte Neuendorf.
Belgien prüft Optionen
Der belgische Verband reagierte mit „Erstaunen“ auf die Entscheidung und prüft alle Optionen, „um die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die Grundprinzipien des Fair Play zu schützen“. Balogun ist trotz seiner Roten Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina im Achtelfinale gegen Belgien am Dienstag spielberechtigt. Die Fifa berief sich auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmaßnahme ausgesetzt werden kann. Sollte Balogun innerhalb eines Jahres einen weiteren Verstoß begehen, wird die Sperre vollstreckt.
Trump bedankt sich bei Fifa
US-Präsident Donald Trump bedankte sich auf Truth Social bei der Fifa: „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.“ Laut übereinstimmenden Berichten von „The Athletic“ und der Nachrichtenagentur AP hatte Trump persönlich bei Infantino angerufen, um die Aufhebung der Sperre zu erwirken. Weder die Fifa noch das Weiße Haus haben dies bislang kommentiert.
England besiegt Mexiko in epischem Duell
England gewann ein dramatisches Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Mexiko mit 3:2 (2:1) im Aztekenstadion. Jude Bellingham traf doppelt (36., 38.), Harry Kane per Elfmeter (60.). Mexiko kam durch Julián Quiñones (42.) und Raúl Jiménez (69., Foulelfmeter) heran. Englands Jarell Quansah sah die Rote Karte (54.). Nach dem Spiel verletzte sich Jordan Henderson beim Jubeln schwer am Handgelenk. England trifft im Viertelfinale auf Norwegen.
Haaland wirft Brasilien raus – Neymar tritt zurück
Norwegen besiegte Brasilien mit 2:1 (0:0) durch zwei späte Tore von Erling Haaland (79., 90.). Neymar verkürzte per Foulelfmeter in der Nachspielzeit (90.+10). Nach dem Aus verkündete der 34-Jährige seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft: „Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht. Jetzt ist es zu Ende.“ Norwegen steht erstmals im WM-Viertelfinale.
Weitere Achtelfinal-Ergebnisse
Frankreich besiegte Paraguay mit 1:0 (0:0) durch einen Elfmeter von Kylian Mbappé (70.). Marokko warf Co-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) aus dem Turnier. Argentinien benötigte die Verlängerung, um Kap Verde mit 3:2 (1:1, 1:0) zu bezwingen. Carlos Queiroz trat als Trainer Ghanas nach dem Aus im Sechzehntelfinale zurück.



