Donald Trump wird am Sonntagabend im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 den WM-Pokal überreichen. Der US-Präsident, der das Turnier immer wieder als sein persönliches Prestigeprojekt bezeichnet hat, nutzt die größte Sportbühne der Welt für seinen politischen Auftritt. Doch während er sich auf den großen Moment vorbereitet, droht ein Eklat: Viele Fans könnten ihn ausbuhen, und Menschenrechtsorganisationen werfen ihm vor, die WM für seine Abschiebepolitik zu instrumentalisieren.
Trumps WM-Inszenierung: Von der Roten Karte bis zur Pokalübergabe
Es hat 103 von 104 Spielen gedauert, aber Trump hätte die WM niemals ohne sein Mitwirken verstreichen lassen. Bereits vor dem Achtelfinale der USA gegen Belgien intervenierte er bei FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen einer Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun. Die Sperre wurde aufgehoben, die USA schieden dennoch aus. Die Einmischung untergrub die Legitimität des Turniers, so Kritiker.
Nun überreicht Trump im Finale zwischen Spanien und Argentinien (21 Uhr MESZ) den Pokal. Normalerweise nimmt ein Spieler die Trophäe vom Sockel, doch Trump wird persönlich eingreifen. Schon bei der Klub-WM 2025 sorgte er für Irritationen, als er den Pokal an den FC Chelsea überreichte und trotz eines Zerrens von Infantino grinsend auf der Bühne stehen blieb. Ob sich diesmal ein ähnlicher Eklat wiederholt, bleibt abzuwarten.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren Instrumentalisierung der WM
„Die Trump-Regierung hat das Turnier instrumentalisiert, um ihre Botschaft zu Massenabschiebungen zu verbreiten“, sagt Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sports & Rights Alliance, zu ntv.de. Das Weiße Haus veröffentlichte einwanderungsfeindliche Social-Media-Beiträge mit Bildern des US-Teams, obwohl viele Spieler selbst Einwanderer sind. Das Ministerium für Innere Sicherheit postete ein bearbeitetes Bild der Mannschaft mit der Mauer an der Grenze zu Mexiko und dem Slogan „Built the wall“. Das Bild wurde später gelöscht.
Parallel zur WM führte die Einwanderungsbehörde ICE landesweit Razzien durch, bei denen innerhalb von fünf Tagen bis zu 10.000 Menschen festgenommen wurden. „Hinter all dem Trubel hat die US-Regierung brutale Razzien durchgeführt“, so Florence. Amnesty-Generalsekretärin Julia Duchrow ergänzt: „Statt diese Entwicklung zu stoppen, baut die US-Regierung die Einwanderungsbehörden weiter aus. Im Juni genehmigte der US-Kongress weitere Milliarden für ICE und CBP.“
Neue Überwachungstechnologien und politischer Erfolg
Trump nutzte die WM auch als Experimentierfläche für neue Überwachungstechnologien, ähnlich wie China bei Olympia 2008 oder Russland bei der WM 2018. „Die Weltmeisterschaft wurde historisch genutzt, um Menschenrechtsverletzungen zu verschleiern – genau das erleben wir in den USA“, sagt Florence. Die Festnahmen gipfelten in tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf Einwanderer, die nicht das Ziel der Razzien waren.
Trotz der Kritik ist die Austragung der WM in den USA für Trump ein politischer Erfolg. „Dass die WM trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverstößen in den USA stattfand, ist für die Regierung ein großer Erfolg“, sagt Duchrow. Das Turnier habe aber auch gezeigt, „wie menschenfeindlich, rücksichtslos und rassistisch diese Regierung agiert“ und das Image der USA weiter beschädigt.
Wird Trump ausgepfiffen?
Ob Trump bei der Pokalübergabe ausgebuht wird, ist offen. Beim NBA-Finalspiel der New York Knicks vor wenigen Wochen wurde er frenetisch ausgepfiffen. Im Finale sind jedoch weniger New Yorker im Stadion, internationale Fans konzentrieren sich auf das Spiel. Trump spekuliert darauf, dass die Aufmerksamkeit ihm gilt – ob positiv oder negativ, ist ihm oft gleichgültig. Der Eklat ist programmiert.



