Deutsche Bahn lenkt ein: Vollsperrung der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) vom Tisch
Bahn lenkt ein: Vollsperrung Berlin–Frankfurt (Oder) vom Tisch

Die Deutsche Bahn hat auf die massiven Proteste gegen die geplante Vollsperrung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) reagiert. Ursprünglich war eine neunmonatige Komplettsperrung für das Jahr 2029 vorgesehen, um eine Generalsanierung durchzuführen. Dieser Plan ist nun vom Tisch, wie Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek dem Tagesspiegel mitteilte. Die Sperrung solle „fahrgastfreundlicher“ gestaltet werden.

Hintergrund der Proteste

Die Ankündigung der Bahn hatte einen enormen Aufschrei in Brandenburg und Berlin ausgelöst. Auf der Strecke verkehren der RE1, die wichtigste Regionalexpress-Linie der Region, Fernzüge nach Polen sowie zahlreiche Güterzüge. Die Absicht der Bahn wurde durch eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage bekannt. Weder Berlin noch Brandenburg waren vorab informiert worden. Die Öffentlichkeit erfuhr von den Plänen erst am Rande einer Veranstaltung der Odeg, die den Regionalverkehr auf der Strecke betreibt. Auch dies stieß auf massive Kritik.

Reaktionen aus Wirtschaft und Politik

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) warnte eindringlich vor den Folgen für Pendler, Unternehmen und die regionale Wirtschaft. Linken-Politiker Christian Görke sprach von „Selbstmord mit Ansage“. Er hatte eine Anfrage bei der Bundesregierung zu den zahlreichen Ausfällen auf dem RE1 gestellt. Auch das Verkehrsunternehmen Odeg äußerte sich besorgt. Betroffen wäre zudem Tesla, da in diesem Sommer der neue Bahnhof Fangschleuse direkt am Werk eröffnet werden soll.

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Alternativen der Bahn

Im Hinblick auf die Proteste erklärte Bahnchef Kaczmarek: „Wir haben gelernt.“ Es seien verschiedene Alternativen entwickelt worden. So könnte die neunmonatige Sperrung in zwei Abschnitte aufgeteilt werden. Eine weitere Möglichkeit sei, während der Sanierung stets ein Gleis befahrbar zu lassen, sodass ein Teil der Züge, insbesondere der Fernverkehr nach Polen, weiter verkehren könnte. Eine Umleitung existiert nicht, da die Ostbahn über Küstrin auch knapp 40 Jahre nach dem Mauerfall weitgehend eingleisig und nicht elektrifiziert ist.

Weitere Schritte

Am Donnerstag ist Kaczmarek im Verkehrsausschuss des Brandenburger Landtags vorgeladen. Unter Verweis auf diese Sitzung wollte er am Mittwoch keine Details zu den ausgearbeiteten Varianten nennen. Laut der Bundestagsdrucksache plant die Bahn, 2029 verschiedene Projekte zu bündeln. So sollen alle Stellwerke auf der Strecke erneuert und digitalisiert werden. Das neue zentrale Stellwerk in Frankfurt soll demnach im September 2029 in Betrieb gehen.

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