Der mysteriöse Tod des „Korn-Königs“ Arthur S. aus Sachsen-Anhalt weitet sich zu einem Kriminalfall mit internationaler Dimension aus. Der 62-jährige Großagrarier wurde Anfang Juli leblos in seinem Haus in Antalya, Türkei, aufgefunden. Nun richtet sich der Fokus der Ermittler auf seine russische Lebensgefährtin, die seit 2024 per Vollmacht die Geschicke seines Firmenimperiums lenkt.
Machtkampf um Millionen-Erbe und Klostergut
Arthur S. bewirtschaftete mehrere tausend Hektar Ackerland und galt als einer der größten Getreideproduzenten Ostdeutschlands. Sein Tod hinterlässt ein komplexes Erbe: ein florierendes Unternehmen, wertvolle Immobilien und ein historisches Klostergut in Winningen (Sachsen-Anhalt). Doch statt Trauer herrscht dort ein erbitterter Machtkampf zwischen der russischen Geliebten und dem Sohn des Verstorbenen.
Die Lebensgefährtin, die namentlich nicht genannt wird, soll seit dem Vorjahr die alleinige Handlungsvollmacht über sämtliche Firmen von Arthur S. besitzen. Diese Position nutzt sie offenbar, um ihre Ansprüche auf das Erbe durchzusetzen. Der Sohn hingegen, der jahrelang als designierter Nachfolger galt, sieht sich enterbt und kämpft vor Gericht um seinen Anteil.
Waffenarsenal und Luxusuhren bei Razzia entdeckt
Im Zuge der Ermittlungen durchsuchte die Polizei das Klostergut in Winningen. Dabei stießen die Beamten auf ein bemerkenswertes Arsenal: mehrere Maschinenpistolen, Handgranaten und weitere Schusswaffen. Zudem wurden teure Luxusuhren und verdächtige Flüssigkeiten sichergestellt, die nun forensisch untersucht werden.
Die Sicherstellung dieser Gegenstände wirft neue Fragen auf. Warum lagerte der als friedliebend geltende Agrarunternehmer Waffen in dieser Größenordnung? Und was hat es mit den Flüssigkeiten auf sich, die möglicherweise als Betäubungsmittel oder sogar Gift eingesetzt werden könnten? Die Ermittler prüfen derzeit, ob diese Funde im Zusammenhang mit dem Tod von Arthur S. stehen.
Streit mit dem Sohn eskalierte
Nach Informationen aus dem Umfeld der Familie soll der Konflikt zwischen der Geliebten und dem Sohn in den Monaten vor dem Tod von Arthur S. massiv eskaliert sein. Es habe laute Auseinandersetzungen und sogar tätliche Angriffe gegeben. Die Stimmung sei so vergiftet gewesen, dass der Sohn das Gut zwischenzeitlich verlassen habe.
Ob diese Streitigkeiten mit dem plötzlichen Tod des Patriarchen in Verbindung stehen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die türkische Polizei arbeitet nach Angaben der Staatsanwaltschaft eng mit den deutschen Behörden zusammen. Eine Obduktion der Leiche wurde angeordnet, die Ergebnisse stehen jedoch noch aus.
Ermittlungen gegen die russische Geliebte
Die russische Geliebte steht nun im Zentrum des Verdachts. Sie soll zum Zeitpunkt des Todes in der Türkei gewesen sein und wird von den Ermittlern als „dringend tatverdächtig“ eingestuft. Konkrete Beweise für eine Tatbeteiligung liegen nach jetzigem Stand jedoch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft betont, dass es sich bislang um einen Anfangsverdacht handele.
Die Frau hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Ihr Anwalt wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer „Hexenjagd“ gegen seine Mandantin. Er kündigte an, alle Vorwürfe juristisch zu prüfen und sich gegen die Vorverurteilung zur Wehr zu setzen.
Die Zukunft des Firmenimperiums ist ungewiss
Unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen steht das Firmenimperium von Arthur S. vor einer ungewissen Zukunft. Die Vollmacht der Geliebten könnte nach deutschem Erbrecht angefochten werden, falls sie rechtswidrig erlangt wurde. Auch die Banken zeigen sich zurückhaltend und prüfen Kredite neu.
Das Klostergut in Winningen, das über Jahrhunderte als landwirtschaftliches Zentrum der Region diente, ist derweil Schauplatz eines beispiellosen Rechtsstreits. Die Mitarbeiter des Betriebs bangen um ihre Arbeitsplätze, während sich die beiden Erblager vor Gericht duellieren. Eine Einigung ist nicht in Sicht.



