Fifa hebt Balogun-Sperre auf: Belgien erhebt schwere Vorwürfe und kündigt Anfechtung an
Balogun-Sperre aufgehoben: Belgien erhebt schwere Vorwürfe

Die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun für das Achtelfinale gegen Belgien ist aufgehoben. Der Weltfußballverband Fifa gab am Sonntag überraschend bekannt, dass der Angreifer am Montag (Ortszeit) in Seattle auflaufen darf. Medienberichten zufolge soll sich US-Präsident Donald Trump persönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino für Balogun eingesetzt haben. Belgiens Fußballverband reagierte empört und kündigte an, die Spielberechtigung anzufechten.

Trump soll Infantino angerufen haben

Laut übereinstimmenden Berichten von „The Athletic“, dem Wall Street Journal (WSJ) sowie den Nachrichtenagenturen AP und AFP habe Trump persönlich bei Infantino interveniert. Demnach seien US-Handelsminister Howard Lutnick und Andrew Giuliani, Leiter der WM-Taskforce des Weißen Hauses, nach Baloguns Roter Karte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina in mehreren Telefonkonferenzen mit Trump zusammengekommen. Die Sperre sei nicht nur unverdient, sondern gefährde auch die Chancen der USA im Achtelfinale, hieß es aus Quellen. Als die Versuche, die Sperre aufheben zu lassen, scheiterten, griff Trump selbst zum Telefon und kontaktierte Infantino. Weder die Fifa noch das Weiße Haus haben dies offiziell bestätigt.

Belgien wirft Fifa Verfahrensverstöße vor

Der Königliche Belgische Fußballverband (RBFA) zeigte sich „zutiefst besorgt“ über den Vorgang. In einer Stellungnahme hieß es: „Wir sehen keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten.“ Der Verband hatte zuvor ein Schreiben an die Fifa gerichtet, um eine Kopie der Entscheidung und eine Erläuterung des Verfahrens zu erhalten. Als Reaktion habe die Fifa die Korrespondenz als Berufung gewertet und mitgeteilt, dass bereits ein Richter bestellt sei – obwohl nach Fifa-Regularien eine Berufung nur zulässig sei, wenn zuvor die begründete Entscheidung zugestellt wurde. „Obwohl der RBFA lediglich berechtigte Erklärungen verlangte, konstruierte die Fifa selbst ein Berufungsverfahren und sorgte zugleich dafür, dass dieses als unzulässig eingestuft werden würde“, kritisierte der Verband.

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Kritik aus Fußballwelt

Belgiens Trainer Rudi Garcia sprach von einem „schlechten Scherz“ und erklärte: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist.“ Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp kommentierte bei MagentaTV: „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt.“ Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter schrieb auf X: „Wenn ein US-Präsident beim Fifa-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, Fifa?“ Auch die UEFA zeigte sich „fassungslos“ und sprach von einer „roten Linie“, die überschritten worden sei. Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken nannte es eine „schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“.

Fifa beruft sich auf Artikel 27

Als Begründung verwies die Fifa auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Baloguns Sperre wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte er sich in dieser Zeit einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere leisten, werde die Sanktion vollstreckt. Der Weltverband hatte bereits im Vorjahr bei Cristiano Ronaldo von dieser Regel Gebrauch gemacht, allerdings nur zur Verkürzung einer Sperre, nicht zur kompletten Aufhebung. Balogun hatte im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nach einem VAR-Check die Rote Karte gesehen, nachdem er seinen Gegenspieler im Zweikampf getroffen hatte. US-Trainer Mauricio Pochettino hatte den Platzverweis als klaren Fehler bezeichnet.

Politische Einmischung wirft Fragen auf

Der Vorgang wirft erneut Fragen nach der Unabhängigkeit der Fifa auf. Trump, der maßgeblich an der Vergabe der WM in die USA beteiligt war, betrachtet den Erfolg des Turniers als persönliche Prestigesache. In einer Mitteilung auf Truth Social dankte er der Fifa: „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.“ Balogun, mit drei Toren bester Schütze der USA, wird voraussichtlich im Achtelfinale auflaufen. Das Spiel gegen Belgien findet in der Nacht zum Dienstag (MESZ) statt.

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