Nach neun Jahren im Amt zeigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron deutliche Spuren des Alterns: graue Schläfen und härtere Gesichtszüge. Dennoch agiert er politisch unvermindert energisch – im Gegensatz zu Bundeskanzler Friedrich Merz, der blass wirkt.
Makabrer Bildvergleich in sozialen Medien
Zum letzten Mal nahm Macron in dieser Woche als Präsident und Oberbefehlshaber der Armee die Militärparade am französischen Nationalfeiertag ab. Traditionell schritt er auf den Champs-Élysées entlang einer Truppenformation und salutierte – wie jedes Jahr seit 2017. Ein Bildvergleich der Aufnahmen von 2017 und 2026, der in sozialen Medien kursiert, zeigt einen erschreckenden Unterschied: Der einst mit 39 Jahren jüngste Präsident Frankreichs wirkt gealtert, die Schläfen ergraut, die Züge verhärtet.
In den sozialen Medien wird spekuliert, ob Macron müde oder gar amtsmüde geworden sei. Unbestreitbar ist, dass er neun Jahre im mächtigsten Amt Frankreichs hinter sich hat – eine Erfahrung, die an Barack Obama erinnert, der nach acht Jahren als US-Präsident ebenfalls stark gealtert wirkte. Die Vergleiche verdeutlichen, wie anstrengend und körperlich zehrend der durchgetaktete Terminkalender und die Verantwortung für Krisen selbst für relativ junge Politiker sind.
Außenpolitisches Feuerwerk trotz innenpolitischer Krise
Doch müde oder energielos wirkt der heute 48-jährige Macron nicht, der am 13. Mai 2027 abtritt. Nach dem Horrorjahr 2025 droht kaum noch die Gefahr eines Rücktritts. Seit der vorgezogenen Wahl 2024, die in ein Parlament mit drei unversöhnlichen Blöcken mündete, warf ein Regierungschef nach dem anderen hin. Der blasse Premierminister Sébastien Lecornu, der vierte seitdem, hält die Stellung und gibt Macron den Rücken frei.
Stattdessen ist Macron außenpolitisch neu durchgestartet. Er treibt unermüdlich die Souveränität Europas voran – ein Anliegen, das er seit 2017 vertritt, damals noch weitgehend allein in der EU. Dazu gehören die Bildung der Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine, die Wiederannäherung an Großbritannien, viele Sondergipfel und das Angebot an die übrigen Europäer, am französischen Atomschirm teilzuhaben. Auch Konflikten geht er nicht aus dem Weg: Er bietet US-Präsident Donald Trump in Sachen Grönland die Stirn und spricht klare Worte bei Völkerrechtsverletzungen in Venezuela und Iran. Angesichts dieser Initiativen wirkt Bundeskanzler Friedrich Merz, der erst gut ein Jahr im Amt ist, blass und kraftlos.
Innenpolitische Erfolge und gesellschaftliche Projekte
Auch innenpolitisch nutzt Macron seinen Einfluss. Mit seiner Unterstützung verabschiedete das Parlament diese Woche ein Sterbehilfegesetz für schwer kranke Menschen – ein gesellschaftliches Großprojekt, das er anfangs kritisch betrachtete. Zudem ist er die treibende Kraft hinter dem Verbot von sozialen Medien für Jugendliche unter 15 Jahren, das derzeit im Vermittlungsausschuss beider Parlamentskammern liegt. Dazu veröffentlichte Macron einen Gastbeitrag im Tagesspiegel.
Um Frankreichs Souveränität zu stärken, berief er Hunderte nationaler Unternehmen ein, um die Nutzung fossiler Energieträger in allen Sektoren zurückzudrängen – unter dem Motto „Frankreichs Mannschaft für die Elektrifizierung“, mit ihm als Kapitän.
Laufen und Singen halten fit
Wer sich um Macrons körperliche Verfassung sorgt, hat vermutlich seine jüngsten Auftritte verpasst. Beim Besuch in Kenia im Mai anlässlich des Wirtschaftsgipfels „Afrika Forward“ joggte er mit Marathon-Olympiasieger Eliud Kipchoge durch die Straßen Nairobis. Beim Staatsbankett in Armenien sang er vor den Gästen Charles Aznavours „La Bohème“, begleitet vom armenischen Präsidenten am Flügel und Premierminister am Schlagzeug.
Seine inzwischen berühmte blauverspiegelte Sonnenbrille, die er dieser Tage wieder trug, deutet auf ein körperliches Leiden hin – beim Wirtschaftsgipfel in Davos begründete er sie mit einem geplatzten Äderchen. Müde Augen verstecken sich dahinter aber sicher nicht.



