Die Bundeswehr will im Jahr 2025 wieder mit der Musterung von Wehrpflichtigen beginnen. Das kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag in Berlin an. Die Musterung sei ein erster Schritt hin zu einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Pistorius betonte, dass man zunächst Erfahrungen sammeln wolle, bevor man über eine aktive Dienstpflicht entscheide.
Hintergrund: Aussetzung der Wehrpflicht 2011
Die Wehrpflicht war 2011 ausgesetzt worden. Seitdem ist die Bundeswehr auf Freiwillige angewiesen. Angesichts des Ukraine-Kriegs und der veränderten Sicherheitslage in Europa wird jedoch über eine Rückkehr zur Wehrpflicht diskutiert. Pistorius hatte bereits im November 2023 angekündigt, ein neues Modell prüfen zu lassen. Nun konkretisierte er die Pläne.
Geplante Maßnahmen: Fragebogen und Musterung
Zunächst sollen alle jungen Männer des Jahrgangs 2007 einen Fragebogen erhalten. Auf dieser Grundlage soll dann eine Auswahl für die Musterung getroffen werden. Die eigentliche Musterung könnte laut Pistorius im Jahr 2025 beginnen. Die Wehrpflichtigen sollen dabei nicht nur körperlich untersucht, sondern auch zu ihren Fähigkeiten und Interessen befragt werden. Die Ergebnisse sollen in einer Datenbank erfasst werden.
Reaktionen und Kritik
Die Pläne stoßen auf geteilte Reaktionen. Während die Union die Initiative begrüßt, äußern sich die Grünen und die Linke kritisch. Die FDP fordert, dass die Wehrpflicht nicht ohne eine breite gesellschaftliche Debatte wiedereingeführt werde. Auch der Bundeswehrverband äußerte sich vorsichtig positiv. Der Vorsitzende André Wüstner sagte: „Wir brauchen eine verlässliche Personalplanung. Ein Fragebogen allein reicht nicht, wir brauchen eine klare politische Entscheidung.“
Auswirkungen auf die Bundeswehr
Die Bundeswehr leidet unter Personalmangel. Derzeit dienen etwa 181.000 Soldatinnen und Soldaten in der Truppe. Das Ziel von 203.000 wird nicht erreicht. Durch die Musterung erhofft man sich, mehr potenzielle Rekruten zu identifizieren. Zudem soll die Musterung dazu dienen, die Tauglichkeit und Bereitschaft der jungen Männer zu erfassen.
Internationaler Kontext: Drohnen und Cyberabwehr
Die Pläne zur Wehrpflicht sind Teil einer umfassenderen Debatte über die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Angesichts der Bedrohung durch Russland und den Einsatz von Drohnen im Ukraine-Krieg wird auch über neue Technologien diskutiert. Die Bundeswehr will ihre Fähigkeiten in der Drohnenabwehr und der Cyberverteidigung ausbauen. Dazu sollen auch Reservisten herangezogen werden.
Weitere Details: Schulstreik und Iran
In der Diskussion spielten auch andere Themen eine Rolle. So wurde auf den Schulstreik für das Klima verwiesen, der die junge Generation mobilisiert. Zudem wurde auf die Lage im Iran hingewiesen, wo junge Menschen gegen das Regime protestieren. Pistorius betonte, dass die Wehrpflicht nicht nur eine Frage der Verteidigung, sondern auch der gesellschaftlichen Integration sei.
Ausblick: Entscheidung im Jahr 2025
Die Musterung soll zunächst auf freiwilliger Basis erfolgen. Eine endgültige Entscheidung über die Wiedereinführung der Wehrpflicht soll nach den Erfahrungen mit der Musterung im Jahr 2025 getroffen werden. Pistorius kündigte an, dass das Modell „an die veränderte Sicherheitslage angepasst“ werde. Die Bundeswehr sucht außerdem nach neuen Wegen, um Personal zu gewinnen, etwa durch eine attraktivere Gestaltung des Dienstes.



