Die Bundesregierung will die Vorschläge der Rentenkommission vollumfänglich und schnell umsetzen. In Berlin stößt das auf ein geteiltes Echo. Während der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Pläne als „guten Weg“ lobt, sprechen Linke und Grüne von einem „Angriff auf ein würdiges Leben im Alter“.
Kernpunkte der Rentenreform: Kapitalrente und höheres Rentenalter
Ein zentrales Element der Reform ist eine neue Kapitalrente, die durch Anlagen am Kapitalmarkt langfristig stabile Gewinne sichern soll, um das Rentenniveau zu stabilisieren. Der Rentenbeitrag, der derzeit bei 18,6 Prozent des Bruttolohns liegt, soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jeweils die Hälfte. Zudem soll das Rentenalter schrittweise über 67 Jahre hinaus angehoben werden. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Berufsjahren soll entfallen, und ein vorzeitiger Ruhestand ist frühestens mit 64 Jahren möglich – dann mit Abschlägen.
Kai Wegner: „Guter Weg“ – aber Steuerreform gefordert
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) begrüßte die Vorschläge am Dienstag. Sie seien „ein guter Weg, um unser Rentensystem in Deutschland zu stabilisieren“. Es brauche eine „solide und verlässliche Reform“, die heutige Rentner und nachfolgende Generationen absichere, aber auch für junge Menschen leistbar sei. Als flankierende Maßnahme forderte Wegner eine „umfassende Steuerreform“, die vor allem die Mitte der Gesellschaft entlasten solle. Bereits vor einem Monat hatte er sich – anders als Bundeskanzler Friedrich Merz – für eine Vermögensteuer in Deutschland ausgesprochen.
SPD-Spitzenkandidat Krach: Chance auf „echte Reform“
Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD, warnte davor, „reflexhaft einzelne Bausteine abzulehnen“. So werde eine Rente mit 70 die heute Vierjährigen nur dann betreffen, wenn sich auch ihre Lebenserwartung erhöhe. „Natürlich sehe ich noch einige Punkte, die man präzisieren muss“, sagte Krach. Er forderte etwa eine klare Regelung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen müssen. Insgesamt sieht er die Chance auf eine „echte Reform“.
Linke und Grüne: Scharfe Kritik an den Plänen
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, kritisierte die Vorschläge scharf. Weil länger gearbeitet werden müsse und die abschlagsfreie Rente abgeschafft werde, bedeuteten die Pläne „faktische Rentenkürzungen“. „Wer diese Rentenreform mit der Union durchwinkt, ob im Bundestag oder im Bundesrat als Berliner Senat, macht sich mitverantwortlich für einen Angriff auf ein würdiges Leben im Alter“, sagte Eralp. Es brauche eine starke Linke im Roten Rathaus, die „dagegen Sturm läuft“. Auch Werner Graf, Spitzenkandidat der Grünen, äußerte sich kritisch. Die Vorschläge ließen die soziale Lage von Menschen in Städten wie Berlin und in ganz Ostdeutschland „unbeachtet“. Gerade in Regionen, in denen kaum Vermögen aufgebaut und wenig vererbt werde, seien sie nicht geeignet, der drohenden Altersarmut entgegenzuwirken. Positiv hob Graf hervor, dass künftig alle Abgeordneten – im Bundestag wie in den Landtagen – Teil der gesetzlichen Rentenversicherung werden sollen.
Ausblick: Kontroverse in Berliner Landespolitik
Die unterschiedlichen Reaktionen der Berliner Spitzenkandidaten deuten auf eine kontroverse Debatte in der Landespolitik hin. Während CDU und SPD die Reform grundsätzlich befürworten, lehnen Linke und Grüne zentrale Elemente ab. Im Bundesrat könnte Berlin mit seiner Stimme den Ausschlag geben – je nach Ausgang der Landtagswahl im Herbst 2026.



