Hintergrund: Die aktuelle Gefährderstatistik
Das Bundeskriminalamt (BKA) betrachtet nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) derzeit 410 Menschen als islamistische Gefährder. Diese seien dem Bereich des islamistischen Terrorismus und Extremismus zuzuordnen. Hinzu kommen 65 Gefährder im Bereich Rechtsextremismus und 17 im Bereich Linksextremismus. Die Zahlen spiegeln den Stand vom 1. Juli 2026 wider. Als Gefährder gelten Personen, denen die Sicherheitsbehörden die Begehung größerer Gewalttaten, wie etwa Anschläge, zutrauen.
Die Erfassung der Gefährder ist eine gemeinsame Aufgabe der Polizeien der Bundesländer, die jeweils für ihr Bundesland Einstufungen vornehmen. Das BKA führt die zentrale Liste. Die Gründe für eine Aufnahme oder Streichung aus der Liste sind vielfältig und unterliegen einer Einzelfallbetrachtung. So kann eine Person nach Verbüßung einer Haftstrafe, bei Wegzug ins Ausland oder bei Veränderung der Gefährdungseinschätzung gestrichen werden. Umgekehrt können neue Erkenntnisse zu einer Aufnahme führen.
Einordnung: Schwankungen und Aussagekraft
Das BKA betont, dass die reine Anzahl der Gefährder nur bedingt Aussagekraft über die tatsächliche Gefährdungslage habe. Die Zahl unterliege ständigen Schwankungen und könne nicht als alleiniges Kriterium für die Bewertung der Sicherheitslage herangezogen werden. Vielmehr müssten die Dynamiken innerhalb der Szenen, die internationale Bedrohungslage und die konkreten Handlungsoptionen der Behörden berücksichtigt werden.
Die islamistischen Gefährder stellen mit 410 Personen die mit Abstand größte Gruppe dar. Diese Dominanz spiegelt die anhaltende Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus wider, die auch nach der territorialen Niederlage des sogenannten Islamischen Staats fortbesteht. Die rechtsextremistische Szene bleibt mit 65 Gefährdern relevant, während die linksextremistische mit 17 eine kleinere, aber nicht zu unterschätzende Größe hat.
Der Anschlag auf den CSD in Berlin und seine Folgen
Ein aktueller Fall hat die Diskussion um den Umgang mit Gefährdern neu entfacht. Am vergangenen Samstagabend soll ein 21-jähriger Deutscher mit libanesischen Wurzeln und Verbindungen zum islamistischen Terror am Rande des Christopher Street Day in Berlin einen Van in eine Menschenmenge gesteuert und anschließend mit einer Stichwaffe attackiert haben. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 29 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Bei der Festnahme am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. von Einsatzkräften erschossen. Die Tat führte zu einer breiten Debatte über die Wirksamkeit der Gefährderüberwachung und die Notwendigkeit schärferer Maßnahmen, darunter die Vorratsdatenspeicherung und die elektronische Fußfessel für Gefährder.
Die Behörden stehen vor der Herausforderung, zwischen Freiheitssicherung und Sicherheitsgewährleistung abzuwägen. Kritiker monieren, dass trotz der hohen Zahl an islamistischen Gefährdern nicht alle potenziell Gefährlichen rund um die Uhr überwacht werden könnten. Befürworter von Verschärfungen verweisen auf die Notwendigkeit, solche Taten durch intensivere Kontrollen und schnellere Abschiebungen zu verhindern. Die aktuellen Zahlen des BKA unterstreichen die Komplexität der Lage: Allein die Existenz von 410 islamistischen Gefährdern zeigt, wie groß das Potenzial für weitere Anschläge in Deutschland ist.



