Der SA-Führer Horst Wessel war eine der zentralen Kultfiguren der NS-Zeit. Sein Lied „Die Fahne hoch“ wurde nach 1933 zur zweiten Nationalhymne. Wessel lebte da bereits nicht mehr: Anfang 1930 wurde er von einer Gruppe Berliner Kommunisten unter nicht vollständig geklärten Umständen erschossen.
Kurz vor seinem Tod verfasste Wessel eine Schilderung seines Werdegangs. Dieses Dokument, eine „politische Autobiografie“ eines gerade 21-Jährigen, ist laut dem Historiker Manfred Gailus extrem aufschlussreich. Es zeige einen jungen Mann, der nicht durch besondere Leistungen hervorstach, wie es der Mythos später behauptete, sondern der sehr typisch für seine Generation war.
Gailus und sein Kollege Daniel Siemens haben das Buch herausgegeben. Sie betonen, dass die Autobiografie einen unverstellten Einblick in die frühen Jahre der NSDAP gebe, da sie noch vor dem Triumph von 1933 verfasst wurde. Wessel erscheint darin als ein Nazi im Werden, ein Jugendlicher, der während der Weimarer Jahre in der „Bewegung“ aufging.



