In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ stand am Donnerstagabend die umstrittene Krankenkassenreform im Mittelpunkt. Bundestag und Bundesrat hatten das Gesetz trotz heftiger Kritik von Ärzten und Opposition verabschiedet. Moderatorin Maybrit Illner konfrontierte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit den massiven Einsparungen: Statt der von einer Expertenkommission empfohlenen 42 Milliarden Euro sollen nun nur noch 19 Milliarden Euro eingespart werden.
Warken verteidigt abgespecktes Sparpaket
Warken wies den Vorwurf zurück, das Paket sei eine „Ruine“. Ihr sei wichtig gewesen, die Grundgedanken der Kommission zu wahren, etwa die Ausgaben der Krankenkassen wieder an den Einnahmen zu orientieren. Die Finanzierungslücke für das nächste Jahr sei geschlossen, betonte sie. Zugleich räumte sie ein: „Natürlich ist alles am Ende des Tages auch ein politischer Kompromiss.“ Die Ministerin verwies auf Änderungswünsche der Abgeordneten und der Länder.
Lang attackiert „Kürzungskahlschlag“
Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang übte scharfe Kritik. „Wie man sich für dieses Gesetz feiern kann, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, sagte sie. Sie warnte vor höheren Beiträgen, Jobverlusten und schlechterer Versorgung. „Für mich ist das ehrlich gesagt keine Reform, das ist ein Kürzungskahlschlag.“ Besonders die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen kritisierte sie: „Wenn ich weniger Therapiestunden bezahle, wird es weniger Therapiestunden geben.“
Hausärztin Sibylle Katzenstein pflichtete bei: „Psychotherapie zu kürzen, ist wahrscheinlich langfristig eher teurer für das Gesundheitssystem.“ Insgesamt seien die Auswirkungen auf Patienten jedoch begrenzt, so Katzenstein. TK-Chef Jens Baas lobte die Reform als „erste Hilfe“ für das System, warnte aber, dass eine grundlegende „Therapie“ nötig sei.
Einigkeit gegen Krankschreibung ab Tag eins
Gegen Ende der Sendung sorgte das Thema Krankschreibung für eine seltene Einigkeit. Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag stieß auf breite Ablehnung. Hausärztin Katzenstein sprach von „völliger Symbolpolitik“, TK-Chef Baas warnte vor Generalverdacht. Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Zentralredaktion, fragte mit Blick auf Kanzler Friedrich Merz: „Wie tief sitzt diese Obsession, was ist da los mit diesem Mann, diese Besessenheit mit den Fehlzeiten?“
Ricarda Lang zog einen Vergleich: „Merkel hatte ihre Raute, Olaf Scholz hatte seinen Respekt-Spruch, und bei Merz ist es halt das Misstrauen gegen Beschäftigte.“ Sie forderte Warken auf: „Lassen Sie es einfach sein!“ Selbst Warken räumte ein, dass Karenztage „wahrscheinlich die ehrlichere Maßnahme“ gewesen wären.



