Carsten Linnemann (CDU) wird neuer Gesundheitsminister und tritt damit die Nachfolge von Nina Warken an, die zur Chefin des Bundeskanzleramts wechselt. Die offizielle Ernennung des 48-jährigen bisherigen CDU-Generalsekretärs ist für Mittwoch vorgesehen. Linnemann übernimmt eines der anspruchsvollsten Ressorts der Bundesregierung, das mit einer Vielzahl ungelöster Probleme konfrontiert ist.
Große Reformen stehen an
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies Linnemann bei der Vorstellung am Freitag im Kanzlergarten auf die enormen Aufgaben hin. „Wir müssen den Reformkurs beibehalten“, forderte Merz. Dazu zählen die Pflegereform, strukturelle Veränderungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die Notfallreform, die Umsetzung des Primärarztprinzips sowie der Bürokratieabbau im Gesundheitswesen. Merz betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors: Das Ministerium stehe für den am stärksten wachsenden Bereich der deutschen Volkswirtschaft.
Linnemanns Werdegang und politischer Stil
Linnemann ist studierter Betriebswirt und sitzt seit 17 Jahren im Bundestag. Seit Juli 2023 war er Generalsekretär der CDU und maßgeblich an der Wahlkampfstrategie beteiligt. Ursprünglich hatte er auf das Arbeitsministerium gehofft, das jedoch an die SPD fiel. Daraufhin erklärte er per Videobotschaft, lieber Generalsekretär bleiben zu wollen. Bekannt ist Linnemann für seinen Spruch „Einfach mal machen“, mit dem er auch einen Live-Podcast betreibt. Politisch gilt er als Lautsprecher mit sozialstaatskritischen Aussagen. Um den Kopf freizubekommen, geht er gerne joggen.
Reaktionen aus dem Gesundheitswesen
Aus Teilen des Gesundheitswesens gab es Vorschusslorbeeren. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, lobte Linnemann als Politiker, der „für die Modernisierung bestehender Strukturen und praxisnahe Reformen steht“. Hausärzte-Bundeschefin Nicola Buhlinger-Göpfarth nannte ihn einen „erfahrenen Manager komplexer politischer Prozesse“ und erwarte die Umsetzung des Primärversorgungssystems mit Hausärzten in tragender Rolle. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte Linnemann auf, als „ersten Akt“ die Gesundheitsreform zu überdenken, „die vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vorsieht“.



