Die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz nimmt weiter zu. Nach einem als „Rambo-Zambo“ bezeichneten Vorgehen im Adenauer-Haus steckt der CDU-Chef mitten in einer Macht- und Vertrauenskrise, wie sie die Union seit Jahren nicht erlebt hat. Die geplante Kabinettsreform gerät zum Chaos, Vertraute werden per Telefonanruf im Urlaub abserviert, und in Ostdeutschland wächst vor den entscheidenden Landtagswahlen der Frust. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Insa liegt die Union bundesweit nur noch bei 24 Prozent – ein Tiefstand unter Merz.
Chaos bei der Kabinettsreform
Die von Merz angestoßene Kabinettsreform sollte frischen Wind in die Regierungsarbeit bringen. Doch stattdessen sorgt sie für Unmut in den eigenen Reihen. Mehrere Ministerien sollen umstrukturiert werden, doch die Kommunikation war nach Angaben von CDU-internen Kreisen katastrophal. „Viele Abgeordnete erfuhren aus den Medien von den Plänen“, zitiert die BILD einen namentlich nicht genannten CDU-Bundestagsabgeordneten. „Das hat das Vertrauen in die Führung schwer beschädigt.“ Insbesondere die überraschende Entlassung von zwei Staatssekretären, die per Telefon während ihres Urlaubs erreicht wurden, sorgt für Empörung. „So behandelt man keine Mitarbeiter“, kommentierte ein langjähriges CDU-Mitglied.
Vertrauensverlust im Osten
Besonders brisant ist die Lage in Ostdeutschland, wo im September Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg anstehen. Die Union ist dort traditionell stark, doch die jüngsten Entwicklungen schüren Ängste vor einem Einbruch. „Die Leute hier sehen einen Kanzler, der mit sich selbst beschäftigt ist“, sagte ein sächsischer CDU-Kreisvorsitzender der BILD. „Das spielt den Populisten in die Hände.“ Laut einer Regionalumfrage der Universität Jena liegt die CDU in Thüringen nur noch bei 21 Prozent, während die AfD auf 29 Prozent kommt.
Rivalen lauern
Innerparteilich wächst der Druck auf Merz. Mehrere einflussreiche Landesfürsten, darunter der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und der hessische Regierungschef, sollen hinter den Kulissen bereits die Nachfolge diskutieren. „Merz hat kein Parteiamt mehr inne, nur noch das Kanzleramt“, analysiert der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte. „Das macht ihn angreifbar.“ Offen fordern führende CDU-Politiker eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenzen der Partei. „Wir brauchen weniger Rambo-Zambo und mehr solide Arbeit“, so ein früherer Bundesminister.
Die Rolle der Medien
Das umstrittene Foto, das Merz mit aggressiver Gestik zeigt – das sogenannte „Rambo-Zambo“-Bild – hat die Debatte weiter angeheizt. Die BILD titelte: „Rambo-Zambo im Adenauer-Haus – die Hütte brennt“. Kritiker werfen Merz vor, er inszeniere sich als harter Macher, scheitere aber an der Realität. „Das Bild ist symbolisch für seinen Führungsstil: laut, aber ineffektiv“, kommentierte der Journalist Peter Tiede. Die Bundesregierung selbst wies die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte: „Der Kanzler arbeitet mit Hochdruck an den Reformen. Das Chaos ist hausgemachte Kritik von Leuten, die selbst kein Konzept haben.“
Ausblick
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Merz die Kurve kratzen kann. Eine geplante Klausurtagung der CDU-Führung soll Ende August stattfinden. Dort will Merz offenbar die Wogen glätten und einen neuen Fahrplan vorlegen. „Wenn er jetzt nicht liefert, wird es richtig eng für ihn“, so ein CDU-Vorstandsmitglied. Die Landtagswahlen im Osten könnten zur Bewährungsprobe werden. Sollte die Union dort deutlich verlieren, dürften die Rufe nach einem Wechsel an der Spitze lauter werden.



