Merz‘ Kabinettsumbildung, Infantinos WM-Pläne, Autokrise – die Lage am Abend
Merz‘ Kabinettsumbildung, Infantinos WM, Autokrise – Lage

Alles begann mit einem Baby: Jens Spahn trat als Fraktionschef der Union zurück, nachdem er und sein Ehemann durch eine Leihmutter Eltern geworden waren – ein Weg, den Spahn zuvor politisch abgelehnt hatte. Nun, keine zwei Wochen später, wählte die Fraktion den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei zu Spahns Nachfolger. Kanzler Friedrich Merz nutzte die Gelegenheit zu einer überraschend umfassenden Kabinettsumbildung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier händigte unter anderem dem bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder seine Entlassungsurkunde aus.

Merz‘ Fehleinschätzung und die Folgen

Doch mit der Art der Rochade hat Merz politisch mehr verloren als gewonnen. Der Kanzler unterschätzte offenbar den Sturm der Entrüstung aus den Heimatbundesländern des geschassten Verkehrsministers oder des entlassenen Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheitsministerium, Tino Sorge. „Merz macht handwerkliche Fehler in Serie“, schreibt Kollege Roland Nelles in einem Leitartikel. Die Autorität des Kanzlers gerate ins Wanken. Das Abstimmungsergebnis für Frei fiel mit 91,9 Prozent dennoch gut aus – „sogar sehr gut“, sagt Kollege Christian Teevs. „Das ist ein Zeichen, dass sich der Frust nicht gegen Thorsten Frei richtet. Die Abgeordneten unterscheiden zwischen ihrem neuen Fraktionschef und dem Kanzler: Sie wollten nicht den Falschen treffen.“

Verkauft Infantino die WM?

Fifa-Präsident Gianni Infantino treibt die Kommerzialisierung des Fußballs auf die Spitze. Nach den umstrittenen WMs in Russland (2018), Katar (2022) und Nordamerika (2026) plant er nun, Anteile an künftigen Turnieren an private Investoren zu verkaufen. „Es ist seine Mission geworden, Geldquellen aufzutun, wo immer er sie erahnt“, sagt Kollege Peter Ahrens. Als möglicher Investor gilt Joshua Kushner – Bruder von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Mit einem Einstieg in die Fifa-Tochtergesellschaft würden Investoren an Fernseh- und Werbeeinnahmen teilhaben. „Dieses Geld blieb bisher komplett im Verwertungskreislauf des Fußballs“, erklärt Peter. Die Uefa stellt sich nun die Frage: Muss man bei einem solchen Turnier wirklich dabei sein?

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Das Chinaproblem der Industrie

Die Autobranche als wichtigster Industriezweig Deutschlands wird von harten Nachrichten erschüttert: Bei BMW sollen 8000 Stellen wegfallen, rund 9000 bei Porsche, bei VW sind gar bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr. „Sie haben unterschätzt, wie drastisch der Absatzmarkt in China und die dortigen Gewinne wegbrechen“, sagt Kollege Martin Hesse. Deutsche Hersteller verlieren im einst wichtigsten Wachstumsmarkt massiv an Boden, während chinesische Autobauer nach Europa drängen. Folge: Nicht mehr so viele Gremien und komplizierte Entscheidungswege sind tragbar. Entscheidend für die Zukunft ist, neue und bessere E-Autos auf den Weltmarkt zu bringen. „Im besten Fall können die neuen Modelle den Abwärtstrend stoppen“, analysieren Martin und Kollege Timo Schober. „Umdrehen werden sie ihn wohl nicht.“

Weitere wichtige Nachrichten

Berlins Polizeipräsidentin verteidigt das Vorgehen vor dem CSD-Attentat. Es habe vorher keine Anhaltspunkte für eine stärkere Observierung des Täters gegeben. Russland erlässt einen internationalen Haftbefehl gegen Telegram-Gründer Durow. Die USA verbieten humanoide Roboter aus dem Ausland, auch wichtige Solarhardware ist betroffen. Mehr als zehn Jahre nach dem Germanwings-Absturz verklagen Hinterbliebene die Bundesrepublik auf Schadensersatz – die Aussichten auf Erfolg sind gering.

Lohnt sich jetzt eine Klimaanlage?

In Brüssel und deutschen Städten werden Temperaturen um 30 Grad erwartet. Viele rüsten technisch nach – oft mit improvisierten Schläuchen aus dem Fenster. Kollege Arno Makowsky hat den Bauingenieur Peter Schick von der Stiftung Warentest gefragt: Für wen ist eine Klimaanlage sinnvoll? Wie viel kosten die Geräte? Ist ihr Ruf als Stromfresser berechtigt?

Was heute weniger wichtig ist

Der spanische Fußballer Marc Cucurella ließ sich das Konterfei von Nationaltrainer Luis de la Fuente auf den linken Trizeps tätowieren – ein gewagter Stich. Er löste damit ein Versprechen nach dem WM-Titel ein. Deutschen Fans bleibt Cucurellas Arm wegen einer Handspielszene im EM-Viertelfinale 2024 in Erinnerung, die kein Elfmeter gab – eine Fehlentscheidung, wie die Uefa einräumte.

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Und heute Abend?

Die Europäische Zentralbank überarbeitet die Euro-Banknoten grundlegend. Bisher zeigen die Scheine imaginäre Brücken und Tore. Nun können Bürger per Onlineabstimmung mitentscheiden: Sollen Vögel, historische Persönlichkeiten, Parlamentsgebäude oder Straßenmusik auf den neuen Scheinen abgebildet sein? Der EZB-Rat will bis Ende des Jahres entscheiden.