München wieder auf Platz eins
Der Flughafen München ist nach Einschätzung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erneut zum sichersten Verkehrsflughafen in Deutschland gekürt worden. Ausschlaggebend für die Rückkehr an die Spitze ist der nunmehr durchgehende Betrieb von Lichtanlagen an den Zufahrten der Start- und Landebahnen. Diese sogenannten Stopbars – beleuchtete Leisten im Boden – dienen als letzte Sicherheitsbarriere vor aktiven Pisten und sollen Zusammenstöße zwischen Flugzeugen und anderen Fahrzeugen verhindern.
Stopbars als „letzte Sicherheitsbarriere“
Die Stopbars sind nach Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) unabhängig von Wetter und Sichtverhältnissen dauerhaft zu nutzen. Sie markieren die Haltelinie, die ein Pilot vor dem Betreten einer Start- oder Landebahn nicht ohne Freigabe überfahren darf. „Leider verzichten viele Flughäfen aus Kostengründen weiterhin auf den durchgehenden Betrieb“, kritisiert Sven Graßmück, Leiter der VC-Arbeitsgruppe zur Flughafensicherheit. Positivbeispiele seien die Flughäfen Zürich und Genf, wo Stopbars rund um die Uhr an allen Aufrollwegen in Betrieb seien.
Mahnendes Beispiel Tokio-Haneda
Der katastrophale Zusammenstoß zweier Flugzeuge im Januar 2024 am Flughafen Tokio-Haneda zeigt die dramatischen Folgen, wenn Stopbars defekt sind. Dort waren die vorhandenen Stopp-Leisten zum Unfallzeitpunkt ausgefallen. Fünf Menschen starben an Bord einer Maschine der japanischen Küstenwache, während die Insassen eines Airbus A350 der Japan Airlines dem Feuer entkommen konnten. Dieser Vorfall unterstreicht die Bedeutung funktionierender Stopbars.
Platzierungen der deutschen Flughäfen
In der aktuellen Sicherheitsauswertung der VC verdrängte München den bisherigen Spitzenreiter Leipzig auf Platz zwei. Grundsätzlich bewertet die Gewerkschaft alle deutschen Flughäfen als sicher genug für den Passagierflugbetrieb. Die Einhaltung und Kontrolle internationaler Vorschriften sei Aufgabe der Aufsichtsbehörden, so die VC. Dennoch gebe es fast immer Verbesserungspotenzial – etwa bei Rostock-Laage, das am Ende der Tabelle landete. Den Piloten missfiel, dass sie dort nicht zu Sicherheitsbesprechungen eingeladen werden, während der Flughafen Lübeck diesen Wunsch umgesetzt hatte und daher besser abschnitt.
Jährlicher Sicherheitscheck seit 1978
Die Arbeitsgruppe der VC überprüft die deutschen Verkehrsflughäfen seit 1978 jährlich. Später kamen auch Regionalflughäfen hinzu. Seit 2024 sind zudem Kollegen aus der Schweiz beteiligt. Trotz der Kritik an einzelnen Standorten betont die Gewerkschaft, dass die Sicherheitsstandards in Deutschland insgesamt hoch seien – und dass der dauerhafte Betrieb von Stopbars ein wirksames und kostengünstiges Mittel zur Vermeidung schwerer Unfälle sei, das noch nicht überall umgesetzt werde.



