Jens Spahn verteidigt Leihmutterschaft: „Ich stelle mich der Debatte“
Spahn verteidigt Leihmutterschaft: „Ich stelle mich der Debatte“

Unions-Fraktionschef Jens Spahn (46, CDU) ist Vater geworden – und sieht sich deshalb heftiger Kritik ausgesetzt. Sein Sohn Georg, dessen biologischer Vater Spahns Ehemann Daniel Funke ist, wurde von einer Leihmutter in den USA geboren. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, und die CDU hatte auf ihrem Parteitag im Februar ihre ablehnende Haltung bekräftigt. Erste Parteifreunde fordern nun sogar Spahns Rücktritt. Im Podcast-Interview mit BILD-Vize Paul Ronzheimer äußerte sich Spahn erstmals ausführlich zu seinem Familienglück, seiner inneren Zerrissenheit als Privatmensch und Politiker sowie zu seiner politischen Zukunft.

Spahn emotional: „Es ist ein tolles Gefühl“

Spahn, der sich derzeit in New York aufhält, sprach emotional über seinen neugeborenen Sohn: „Es ist einfach toll, es ist ein tolles Gefühl.“ Er spüre die neue Verantwortung gegenüber dem Kleinen, ihm „zu helfen, hoffentlich ein guter Mensch zu werden, seinen Platz im Leben zu finden und auch was weiterzugeben“. Sein Mann Daniel Funke und er hätten den Wunsch nach einem eigenen Kind „von Anfang an beide gehabt, und jetzt sind wir Familie und freuen uns“.

Da ein eigenes Kind in einer Partnerschaft zwischen zwei Männern nicht möglich ist, hätten sie „natürlich auch lange miteinander gerungen, wie das möglich sein kann“, so Spahn. Sie hätten „oft darüber gesprochen, dass wir auch gerne eine Familie gründen wollen“, auch ein Kind großziehen wollen.

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Innerer Zwiespalt: „Ich habe lange mit mir gerungen“

Spahn, der die Leihmutterschaft früher ablehnte, sagte über seine persönliche Haltung: „Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden.“ Er kenne es „als Christ“, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen“.

Das Paar entschied sich für eine Leihmutter in den USA, weil dies dort unter guten Bedingungen geschehe. Entsprechende Agenturen prüften, „dass die Frau finanziell unabhängig ist, dass sie bereits mindestens ein Kind bekommen hat, dass sie in einer gefestigten Familiensituation und Lebenssituation ist“.

Kritik an fehlender Mutter: „Das Wichtigste ist Liebe“

Auf die Frage, wie er mit der Kritik umgehe, dass Kinder von Leihmüttern ohne ihre Mutter aufwachsen, antwortete Spahn: „Das Wichtigste für ein Kind ist Liebe – angenommen sein, Unterstützung kriegen, Geborgenheit empfinden und erfahren. Das werden und wollen wir unserem Sohn geben. Und gleichzeitig werden wir mit ihm auch sehr offen umgehen.“

Der Unions-Fraktionschef will die politische Diskussion, die seine Vaterschaft ausgelöst hat, offen führen: „Ich stelle mich der Debatte. Ich muss nur die Balance schaffen. (...) Es ist und bleibt was sehr Privates. Ich möchte meine Familie schützen.“

Rechtliche Lage: „Eltern werden ist nicht verboten“

Spahn betonte, was in Deutschland an der Leihmutterschaft verboten sei und was nicht: „In Deutschland ist die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung verboten – zum Beispiel das Einsetzen einer Eizelle und die ganze ärztliche Begleitung des Prozesses. Das ist das, was verboten ist. Eltern werden oder Leihmutter sein steht nicht unter Strafe.“ Es sei „nicht verboten, durch Leihmutterschaft Eltern zu werden“.

Bereut spätes Statement: „Ich hätte es tun sollen“

Der CDU-Politiker bereut jetzt, dass er sich nicht schon früher geäußert hat, etwa auf dem Parteitag im Februar, als ein Antrag gegen die Leihmutterschaft angenommen wurde. Damals war die Leihmutter bereits schwanger. „Das ärgert mich im Nachhinein auch, wenn Leute sagen: ‚Warum hat er da nicht was gesagt?‘“, so Spahn. „Ich hätte es tun sollen im Nachhinein“, sagt er. Doch damals war er „noch nicht so weit, die Debatte führen zu können.“

Spahn betont, dass es nicht das erste Mal sei, dass er nicht hinter jedem Parteibeschluss stehe. „Meine Partei hat mit großer Mehrheit dagegen gestimmt, dass ich meinen Mann heiraten kann. 2017 bei der Bundestagsabstimmung. Ich habe dafür gestimmt und ich habe meinen Mann geheiratet.“

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Gespräch mit Kanzler Merz: „Keine einfache Ausgangslage“

Den Bundeskanzler Friedrich Merz (70) habe er vorletzte Woche informiert, dass er „als Vater aus den USA wiederkommen werde, dass mein Mann und ich Eltern werden“. Merz habe gratuliert und sich „für uns persönlich gefreut“. Allerdings hätten die beiden Politiker „natürlich auch darüber gesprochen, dass das keine einfache Ausgangslage ist“.

Rücktrittsforderungen: „Ich werde mit der Fraktion reden“

Ronzheimer konfrontierte Spahn mit der Rücktrittsforderung von Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Daniel Peters. Dieser hatte BILD gesagt, Spahn sei „als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“. Spahn sagte, er kenne Peters viele Jahre und hätte sich gewünscht, „wenn er sich einfach mal bei mir gemeldet hätte und wir vielleicht erst einmal gesprochen hätten“. Er müsse es jedoch akzeptieren, dass Peters sich direkt an die Medien wandte.

Über seine politische Zukunft als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte Spahn: „Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen“. Auf einen möglichen Rücktritt angesprochen, erklärte er: „Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht.“ Zur Frage, ob er weitermachen wolle, sagte er: „Ich werde mit meiner Fraktion darüber reden und das in ihre Verantwortung – wo es ja auch hingehört, der Vorsitzende der Fraktion – auch legen.“

Familie als Priorität: „Nichts Wichtigeres als meine Familie“

Zum Schluss betonte Jens Spahn: „Für mich ist jedenfalls eins klar: Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.“