Die britische Labour-Partei hat Andy Burnham, den sogenannten „König des Nordens“, am Freitag zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 56-Jährige, der zuvor Bürgermeister von Greater Manchester war, soll bereits am Montag Keir Starmer als Premierminister ablösen. Dies gab die Partei nach einem Sonderparteitag bekannt, der in Manchester stattfand.
Burnhams Aufstieg und seine Rede auf dem Sonderparteitag
In seiner Antrittsrede auf dem Sonderparteitag lobte Burnham ausdrücklich seinen Vorgänger Keir Starmer. „Ich danke Keir für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Führung in schwierigen Zeiten“, sagte Burnham vor den Delegierten. Er betonte, dass er auf den Errungenschaften Starmers aufbauen wolle, um die Partei zu einen und das Land voranzubringen. Burnham, der in der Partei als pragmatischer Linker gilt, versprach eine Politik, die den Fokus auf soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Aufschwung legt.
Hintergrund: Der „König des Nordens“
Andy Burnham erhielt den Spitznamen „König des Nordens“ aufgrund seiner Popularität in Nordengland, insbesondere nach seiner Rolle bei der Bewältigung der Folgen des Manchester-Attentats 2017 und der Covid-19-Pandemie. Als Bürgermeister von Greater Manchester setzte er sich erfolgreich für die Region ein, was ihm über Parteigrenzen hinweg Anerkennung einbrachte. Seine Wahl zum Labour-Chef gilt als Versuch der Partei, ihre Basis in den nördlichen Wahlkreisen zu stärken, die bei den letzten Wahlen teilweise an die Konservativen verloren gingen.
Der Sonderparteitag und die Wahlmodalitäten
Der Sonderparteitag, der eigens für die Wahl eines neuen Vorsitzenden einberufen wurde, fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 1.200 Delegierte stimmten ab, wobei Burnham eine deutliche Mehrheit erhielt. Laut Parteiangaben entfielen auf ihn 68 Prozent der Stimmen, während seine Gegenkandidatin, die linke Abgeordnete Rebecca Long-Bailey, auf 32 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag bei 87 Prozent.
Übergabe der Regierungsgeschäfte
Die offizielle Übergabe der Regierungsgeschäfte ist für Montag geplant. Premierminister Keir Starmer wird voraussichtlich am Vormittag seinen Rücktritt bei König Charles III. einreichen, woraufhin Burnham mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Burnham kündigte an, sein Kabinett bis zum Abend vorzustellen. Erwartet wird, dass er mehrere Ministerposten mit Vertretern des linken Parteiflügels besetzt, um die Einheit der Partei zu wahren.
Reaktionen und Ausblick
Die Wahl Burnhams stieß auf gemischte Reaktionen. Während Labour-Anhänger sie als Chance für einen Neuanfang sehen, äußerten konservative Politiker Skepsis. „Burnham mag im Norden beliebt sein, aber er steht für eine Politik der alten Labour-Partei, die das Land in die falsche Richtung führt“, kommentierte ein Sprecher der Konservativen. Wirtschaftsverbände zeigten sich hingegen verhalten optimistisch und hoffen auf eine verlässliche Wirtschaftspolitik. Burnham selbst kündigte an, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens und zur Bekämpfung der Wohnungsnot vorzulegen.



