Thorsten Frei wird neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Fraktion soll den 52-Jährigen am heutigen Dienstag offiziell wählen, nachdem sein Vorgänger Jens Spahn überraschend zurückgetreten war. Frei, ein enger Vertrauter von Bundeskanzler Friedrich Merz, kehrt damit auf einen Posten zurück, der ihm schon nach der Bundestagswahl 2025 zugedacht war.
Ein politischer Werdegang mit Hindernissen
Der gebürtige Säckinger im Schwarzwald studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 zum Oberbürgermeister von Donaueschingen gewählt wurde. Seit 2013 sitzt er für den Wahlkreis Waldshut im Deutschen Bundestag. 2021 berief ihn der damalige Oppositionsführer Friedrich Merz zum Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion. Nach dem Wahlsieg der Union im Jahr 2025 entschied Merz jedoch, Frei zum Chef des Kanzleramts zu ernennen und nicht an die Fraktionsspitze zu holen. Stattdessen übernahm der als unbequem geltende Jens Spahn das Amt des Fraktionsvorsitzenden – für viele Beobachter eine Überraschung.
Holprige Zeit im Kanzleramt
Freis Zeit im Kanzleramt stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, für deren Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zuständig ist, ließ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis aus. Später wurde ihm aus den Reihen von Union und SPD, aber auch aus den Ländern, unter der Hand eine teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. Bei der Erarbeitung des großen Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung geräuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen. Zuletzt besserte sich allerdings sein Standing als Kanzleramtschef, und Zweifel des Kanzlers an ihm gab es ohnehin nicht. Wäre Jens Spahn nicht zurückgetreten, hätte Frei seinen Posten wohl weiterhin sicher gehabt.
Rückkehr in vertraute Gefilde
Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann sofort durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. Für die Koalitionsarbeit, die mit dem Reformpaket nach knapp 15 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von großem Vorteil. Sein guter Draht zum Kanzler wird hilfreich sein. In seiner neuen Rolle wird er ihm gegenüber jedoch anders auftreten müssen. Denn Unmut über den Führungsstil des Kanzlers gibt es in der Fraktion nicht erst seit dem Ärger über die Personalrochade. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten auch mit dem neuen Fraktionschef nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen Loyalität zum Kanzler beweisen müssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann.
Nach dpa-Informationen ist die heutige Wahl in der Fraktionssitzung eine Formsache. Frei selbst hatte sich in den vergangenen Tagen bedeckt gehalten. Mit seiner Ernennung endet eine Phase der Unsicherheit in der Unionsführung.



