Die Berliner Linke hat eineinhalb Monate vor der Abgeordnetenhauswahl in einer aktuellen Umfrage die Führung übernommen. Die repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Tagesspiegels sieht die Partei bei 21 Prozent – ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Umfrage Anfang Juli. Die CDU verharrt unverändert bei 19 Prozent und rutscht damit auf Platz zwei ab. Ein positiver Effekt durch den Rückzug von Regierungschef Kai Wegner als Spitzenkandidat ist für die Christdemokraten bislang nicht erkennbar.
Wegners Rückzug und seine Folgen
Kai Wegner hatte am 10. Juli überraschend erklärt, nicht erneut als Spitzenkandidat anzutreten. Auslöser waren neue Enthüllungen über Falschangaben zu seinem Tagesablauf am Tag des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten am 3. Januar. Der Rückzug war auch eine Reaktion auf zuvor sinkende Umfragewerte der CDU. Doch bisher zeigt sich in den Zahlen kein Aufwärtstrend für die Partei.
Die AfD legt im Vergleich zur Juli-Erhebung um einen Punkt zu und erreicht nun 18 Prozent, womit sie Platz drei belegt. Die Grünen bleiben unverändert bei 17 Prozent. Die SPD verliert einen Prozentpunkt und fällt auf 12 Prozent zurück. FDP und BSW würden mit jeweils drei Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpassen, falls am kommenden Sonntag gewählt würde.
Umfragedetails und Vergleich mit anderen Instituten
An der Civey-Umfrage nahmen zwischen dem 20. Juli und 3. August rund 3000 Personen teil. Die Ergebnisse bestätigen die jüngste Erhebung von Infratest Dimap im Auftrag des RBB, die Mitte Juli ebenfalls einen Vorsprung der Linken vor der CDU zeigte – dort lagen die Werte bei 22 zu 20 Prozent. Allerdings widersprechen die Zahlen einer INSA-Umfrage vom 23. Juli, die erstmals die AfD mit 19 Prozent auf Platz eins sah.
Das Rennen um den Wahlsieg bleibt damit weiterhin offen. Realistisch erscheinen derzeit zwei Koalitionsoptionen: ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD oder eine Fortsetzung der Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben alle Parteien ausgeschlossen, und die CDU lehnt ein Bündnis mit der Linken ab.
Offene Koalitionsfragen
Grüne und SPD lassen hingegen bewusst offen, mit wem sie koalieren würden. „Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich keine Koalition ausschließen“, sagte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach am Dienstag im Tagesspiegel-Interview. Auch Werner Graf, Spitzenkandidat der Grünen, vermied ein klares Bekenntnis für oder gegen eine Koalition mit der Linken oder der CDU.
Gewählt wird am 20. September. Seit der Wiederholungswahl 2023 regiert in Berlin eine schwarz-rote Koalition unter Führung der CDU.



