CSD-Anschlag: Herrmann kritisiert Umgang mit Abdul B. als Katastrophe
CSD-Anschlag: Herrmann: Umgang mit Abdul B. war Katastrophe

Herrmann: „Im Ergebnis eine Katastrophe“

Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) scharfe Kritik am Umgang der Justiz mit dem mutmaßlichen Täter Abdul B. geübt. „Im Ergebnis, muss man feststellen, war das auf jeden Fall eine Katastrophe“, sagte Herrmann dem Bayerischen Rundfunk. Er forderte klare Konsequenzen für die Zukunft und mahnte die beteiligten Richter zu mehr Verantwortungsbewusstsein. „Es geht dann eben in einer solchen Situation nicht nur darum, ob man da irgendeine Hoffnung hat, dass sich jemand bessern könnte, sondern es geht darum, dass jemand eine reale Gefahr ist und dass man dann auch die Sicherheitsbehörden in ihrem Bemühen, die Bevölkerung vor einer solchen Gefahr zu schützen, unterstützen muss“, so Herrmann.

Bewährungsstrafe „völlig unverständlicherweise“

Der Interims-Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Alexander Hoffmann (CSU), äußerte sich ebenfalls besorgt. Er erklärte der Deutschen Presse-Agentur, es müsse genau geklärt werden, wo die Radikalisierung des 21-jährigen Täters stattgefunden habe. Auch das vorausgegangene Gerichtsverfahren sei zu prüfen. Generell seien die Herausforderungen gewachsen: „Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Bedrohungen unmittelbar vor der Haustür stattfinden“, sagte Hoffmann. Die verhängte Bewährungsstrafe sei „völlig unverständlicherweise“ erfolgt, wie aus Unionskreisen verlautete.

Der Fall Abdul B. hatte bereits vor der Tat für Aufsehen gesorgt. Der aus Syrien stammende Mann war nach vergeblichen Versuchen, sich der Terrororganisation IS in Syrien anzuschließen, im November 2025 am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) festgenommen worden. Nach einer längeren Untersuchungshaft wurde er am 12. Mai von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Entscheidung über eine Aussetzung dieser Jugendstrafe zur Bewährung wurde für die Dauer von sechs Monaten zurückgestellt. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig, da die Generalstaatsanwaltschaft Berlin Rechtsmittel eingelegt hatte. Dennoch hob das Gericht den Haftbefehl auf und der Mann kam auf freien Fuß.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Täter bei Festnahme erschossen

Am Sonntag, zwei Tage nach dem CSD-Anschlag, wurde Abdul B. bei einem Polizeieinsatz zu seiner Festnahme erschossen. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte, dass der 21-Jährige zuvor versucht hatte, sich dem IS anzuschließen. Die Kritik von Herrmann und Hoffmann zielt nun darauf ab, wie es trotz der schweren Vorwürfe und der offensichtlichen Gefährdung zur Freilassung des Mannes kommen konnte. Herrmann betonte, dass Richter sich ihrer Verantwortung für die Sicherheit der Menschen bewusst sein müssten. „Es geht darum, dass jemand eine reale Gefahr ist“, wiederholte er. Die Sicherheitsbehörden müssten in ihrem Bemühen unterstützt werden, die Bevölkerung zu schützen.

Forderung nach besseren Sicherheitsmechanismen

Die Diskussion über den Fall wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern und dem Bund in Sicherheitsfragen. Herrmann, der auch für die bayerische Polizei zuständig ist, forderte eine Überprüfung der Verfahren bei der Bewertung von Gefährdern. „Aus dieser Katastrophe müssen wir klare Schlüsse ziehen“, sagte er. Hoffmann ergänzte, dass die Radikalisierungswege in einer globalisierten Welt komplexer geworden seien und die Sicherheitsbehörden entsprechend reagieren müssten. Ob personelle oder rechtliche Konsequenzen folgen, bleibt abzuwarten. Die Union kündigte an, das Thema im Bundestag zu thematisieren.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration