CSU-Urgestein Erwin Huber wird 80: Vom „Wadlbeißer“ zum Philosophen
CSU-Urgestein Erwin Huber wird 80

Erwin Huber, der dienstälteste CSU-Generalsekretär und kurzzeitige Parteivorsitzende, wird am Sonntag, 26. Juli, 80 Jahre alt. Der gebürtige Niederbayer prägte die bayerische Politik über vier Jahrzehnte – als Generalsekretär, Staatskanzleichef, Finanz- und Wirtschaftsminister sowie als Abgeordneter im Landtag. Erst 2018, mit 72 Jahren, schied er aus dem Parlament aus, blieb aber bis vor kurzem Kreistagsabgeordneter und studierte in München Philosophie.

Vom Parteisoldaten zum Strategen

Huber, der sich selbst gern als „Parteisoldaten“ bezeichnete, begann seine Karriere unter Franz Josef Strauß und Theo Waigel als CSU-Generalsekretär. In dieser Rolle erwarb er sich den Spitznamen „Wadlbeißer“ – wegen seiner harten Angriffe auf politische Gegner. Rückblickend sagt er: „Das Generalsekretärs-Amt hat mich lange verfolgt. Das Schwarz-Weiß-Malen entspricht nicht meinem Wesenskern. Ich bin ein braver Mensch. Im Grunde habe ich ein weiches Herz.“

Die Ära Stoiber und die zweite Reihe

1994 holte Edmund Stoiber ihn als Staatskanzleichef ins Kabinett. Huber blieb fast durchgängig die Nummer zwei – ein gewiefter Stratege im Hintergrund. „Ich habe meine politischen Ämter immer als Dienst verstanden, nicht als Macht“, erklärt er. „Vielleicht war das auch ein Mangel, dass ich zu wenig machtbewusst war.“ Seine Erfüllung fand er als Finanzminister, ein Amt, das er von 2005 bis 2008 innehatte.

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Der Aufstieg zum Parteichef und der Fall

2007, nach dem Rücktritt Stoibers, wurde Huber auf dem CSU-Parteitag zum neuen Vorsitzenden gewählt – in einer Kampfabstimmung gegen Horst Seehofer. Es war der größte Erfolg seiner Karriere. Doch bereits 2008 verlor die CSU bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit, und Huber musste den Vorsitz an Seehofer abgeben. Zugleich verlor er das Finanzministerium wegen der Krise um die BayernLB. „In der Politik gibt es immer Höhen und Tiefen, und ich habe in Freud und Schmerz so ziemlich alles mitgemacht“, resümiert er.

Weitermachen nach dem Sturz

Huber trat zurück ins Glied und arbeitete als Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses weiter. „Resignation kenne ich nicht. Jeder Fall tut weh, jeder Sturz hinterlässt Blessuren – die aber wieder heilen“, sagt er. „Nach der großen Trommel habe ich dann halt auf der kleineren weitergeschlagen.“

Philosophie und Klimaschutz: Der ungewöhnliche Ruheständler

Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag 2018 begann Huber ein Philosophiestudium in München. Dabei kam er in Kontakt mit Klimaschützern, sogar mit einem Mitglied der Letzten Generation. Vergangenes Jahr sorgte er für Schlagzeilen, als er als Gast auf einer Klausur der Landtags-Grünen auftrat – ein Affront gegen das Grünen-Bashing von Markus Söder. „Ich möchte, dass mein jüngster Enkel im Jahr 2100 unter vernünftigen klimatischen Bedingungen leben kann“, begründet Huber seinen Einsatz. Die Kritik von Söder kommentiert er gelassen: „Ich sage weiter, was ich denke.“

Ein Leben für die Politik

Huber, der aus kleinen Verhältnissen stammt und sich hocharbeitete, blickt zufrieden zurück: „Ich bin jetzt völlig mit mir im Reinen. Ich schaue auch mit Stolz und Zufriedenheit auf meine politische Arbeit zurück.“ Geholfen hätten ihm seine Familie, seine zwei Kinder und fünf Enkel. „Ich glaube schon, dass Politik Suchtelemente hat“, räumt er ein. „Aber ich habe auch diesen Kampf bestanden.“

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