Berlins neuer CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers macht den „Kampf für Respekt und Vielfalt“ zu einem zentralen Thema seines Wahlkampfs für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September. „Jeder in dieser Stadt, ganz gleich woher er kommt, ganz egal, was er glaubt, ganz egal, wen er liebt, soll sich hier sicher und frei bewegen können“, sagte Evers dem „Tagesspiegel“. Der verheiratete CDU-Politiker berichtete von eigenen bedrohlichen Erfahrungen als schwuler Mann in Berlin. „Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben“, so Evers. „Und solange das so ist, dürfen wir im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen.“
Ursachenbekämpfung und Scharia-Studie
Evers kündigte an, die Ursachen von Vorurteilen und Übergriffen „konsequent an der Wurzel“ bekämpfen zu wollen. Seiner Ansicht nach stünden „vielfach kulturelle Hintergründe oder religiös-fundamentalistische Strukturen hinter Vorurteilen und Übergriffen“. Es gelte, Wortführer und Autoritäten zur Verantwortung zu ziehen. Der CDU-Mann verwies auf eine Erhebung der Bildungsverwaltung, wonach fast 30 Prozent der muslimischen Schüler die Scharia als geltendes Recht betrachteten und nicht das Grundgesetz. „Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat“, so Evers. Auch den Schutz jüdischen Lebens hob er hervor: „Wenn sich jüdische Menschen mit einer Kippa nicht sicher durch Neukölln bewegen können, haben wir noch viel zu tun.“
Imagewandel und Abgrenzung von Wegner
Grundsätzlich will Evers das mitunter wenig vorteilhafte Image der Stadt verändern. „Viele Menschen beschreiben ihr Verhältnis zu Berlin als eine Art Hassliebe. Mein Eindruck ist, es kippt im Moment gelegentlich zum Hass“, so Evers. Er wolle „dieses Berlin-Genörgel nicht mehr ertragen müssen“. Dafür müsse Berlin auch „raus aus diesem provinziellen, ideologischen Klein-Klein“, das die Stadt häufig lähme. Zuvorderst muss Evers allerdings das ramponierte Bild aufbessern, das seine Partei in der Hauptstadt zuletzt abgab. Der bisherige Spitzenkandidat, Regierender Bürgermeister Kai Wegner, hatte seine Kandidatur am vergangenen Freitag aufgegeben, nachdem bekannt geworden war, dass er am ersten Tag des schweren Stromausfalls im Berliner Südwesten Anfang Januar Tennis spielte und über angebliche Krisengespräche gelogen hatte. Evers war am Montagabend vom CDU-Landesvorstand zum neuen Spitzenkandidaten gewählt worden und hat außerdem die Parteiführung als kommissarischer Landesvorsitzender übernommen.



