Das Filmfest München hat seine vorläufige Bilanz gezogen: Rund 95.000 Besucherinnen und Besucher strömten in zehn Tagen zu den Vorführungen und Veranstaltungen – ein Plus von 4.000 im Vergleich zum Vorjahr. Bei brütender Hitze und Temperaturen jenseits der 30 Grad bot das Festival 130 Filme aus 56 Ländern, darunter zahlreiche Premieren und prominente Gäste.
David Duchovny mit CineMerit Award und Trump-Seitenhieb
Am letzten Wochenende stand der US-Schauspieler David Duchovny im Mittelpunkt. Der 65-Jährige, bekannt aus den Serien „Akte X“ und „Californication“, erhielt den undotierten CineMerit Award für sein Lebenswerk. In seiner Dankesrede richtete er einen Seitenhieb gegen US-Präsident Donald Trump und dessen Motto „win, win, win“. „Es sind der Schmerz und der Verlust, die uns vereinen – nicht Erfolg oder große Höhenflüge“, sagte Duchovny. „Solche Momente erlebt man vielleicht ein- oder zweimal im Leben, wenn man Glück hat.“ Er fügte hinzu: „Amerika gilt als Gewinnernation. Aber was soll das eigentlich mit diesem ganzen Gewinnen? Lasst uns doch mal verlieren. Lasst uns verlieren, uns gegenseitig umarmen und sagen: Wir sind alle Verlierer. Können wir uns jetzt liebhaben?“
Höchstdotierter Preis für „Strange River“
Der mit 100.000 Euro dotierte CineCoPro Award ging an das deutsche Koproduktionsteam des Films „Strange River“ des katalanischen Regisseurs Jaume Claret Muxart. Die Coming-of-Age-Geschichte handelt von Dídac, der mit seiner Familie an der Donau entlang radelt und dort einem Jungen begegnet, der ihn fasziniert. Gedreht wurde unter anderem in Lauingen. Der Preis wird vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF) mit Unterstützung der Bayerischen Staatskanzlei gestiftet und würdigt internationale Filme mit deutscher Beteiligung. Der Kinostart ist für den 27. August geplant.
Bester internationaler Debütfilm wurde das Familiendrama „A Girl Unknown“ der chinesischen Filmemacherin Jing Zou. Bei den Kinderfilmen siegte „Mein Sommer bei Nonna“ von Margherita Spampinato, in dem Nico den Sommer bei seiner Großtante auf Sizilien verbringen muss – ohne Internet und Freunde.
Publikumspreise: Wohlfühlkomödie und Drama über Flucht
Das Publikum stimmte über seine Favoriten ab. Beliebtester deutscher Film wurde Helena Hufnagels „Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir“. Darin nimmt eine 101-Jährige einen jungen Geflüchteten bei sich auf, aus der Zweckgemeinschaft entwickelt sich eine besondere Beziehung. Der Film startet am 26. November in den Kinos.
In der Kategorie international gewann „If Only the Year Had 364 Days“ von Almourad Aldeeb, der die Rückkehr eines geflüchteten Syrers in seine Heimat thematisiert. Beliebtester Kinderfilm wurde „Plitsch Platsch Forever“, in dem Kinder ihr Freibad retten wollen – ein leichtes Sommervergnügen, das bereits am Donnerstag in den Kinos anläuft.
Prominente Gäste: Von Almodóvar bis Claudia Roth
Neben Duchovny waren zahlreiche Stars zu Gast. Der italienische Schauspieler Toni Servillo nahm ebenfalls einen CineMerit Award entgegen. Elyas M'Barek zeigte sich, gerade frisch von New York nach München zurückgekehrt. Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar sowie die Schauspielerinnen und Schauspieler Sandra Hüller, Veronica Ferres, Tobias Moretti und die Brüder Florian und Maximilian Brückner ließen sich blicken. Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth besuchte die Eröffnung mit dem historischen Drama „Vaterland“ – praktischerweise mit einem Fächer, einem Accessoire, das angesichts der extremen Hitze vor allem am ersten Festivalwochenende häufig zu sehen war.



