Die Landtagsfraktion der Grünen in Nordrhein-Westfalen hat erstmals einen Menschenrechtspreis ausgelobt. Das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro wird von den Abgeordneten selbst finanziert. Teil der ehrenamtlichen Jury ist unter anderem die Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger (70), die sich seit vielen Jahren für Menschenrechte engagiert.
Hintergrund: Menschenrechte in der Krise
Landtagsvizepräsidentin Berivan Aymaz betonte, die Menschenrechte befänden sich weltweit in einer tiefen Krise. Die Zunahme autoritärer Regime, die freiheitliche Rechte niederschlügen, sowie Völkerrechtsbrüche – etwa durch Russland in der Ukraine, im Nahen Osten oder im Sudan – nähmen zu. Auch Angriffe gegen queere Menschen und Frauen würden häufiger. Menschenrechte würden nicht nur in Parlamenten verteidigt, sondern jeden Tag durch engagierte Menschen vor Ort, so Aymaz. Gerade vor dem Hintergrund des Erstarkens rechter und demokratiefeindlicher Kräfte auch in Deutschland sei es wichtig, dieses Engagement zu würdigen.
Klimaschutz als Menschenrechtsaufgabe
Für die Grünen ist auch der Einsatz für den Klimaschutz eine Menschenrechtsaufgabe, da der Klimawandel Menschen in ihren Grundrechten treffe. Der Preis der Grünen-Landtagsfraktion soll erstmals rund um den Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember verliehen werden. Bewerben oder vorschlagen können sich bis zum 7. September Einzelpersonen, Initiativen, Organisationen oder Projekte aus Nordrhein-Westfalen, die sich in besonderer Weise für Menschenrechte einsetzen.
Bettina Böttinger: „Tiefste Bewunderung“
„Ich war sofort wirklich sehr begeistert von der Idee“, sagte die langjährige Talkshow-Moderatorin Bettina Böttinger. „Ich habe wirklich tiefste Bewunderung für Menschen, die so viel auf sich nehmen und so viel riskieren für die Wahrung der Menschenrechte in ihrem Land und international.“ Es gehe aber nicht nur um weit entfernte Länder wie etwa den Sudan, „sondern wir reden auch über Europa, über unseren Kontinent“.
Weitere Menschenrechtspreise in NRW
Der neue Menschenrechtspreis der Grünen ist nicht die einzige Auszeichnung in diesem Bereich. Die Tonhalle Düsseldorf verleiht einen mit 10.000 Euro dotierten Menschenrechtspreis. Auch die Gerhart-Baum-Stiftung – benannt nach dem 2025 verstorbenen FDP-Politiker – vergibt alle zwei Jahre einen Menschenrechtspreis. „Je mehr Aufmerksamkeit für Menschenrechte und Akteure gegeben ist, desto besser ist es“, sagte Grünen-Politikerin Aymaz. „Da kann man sich nichts gegenseitig wegnehmen.“ Sie hoffe, dass die Auszeichnung ihrer Landtagsfraktion mit dem von den Abgeordneten gespendeten Preisgeld zu einer Tradition der Fraktion werde.



