Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Kabinettsumbildung am 29. Juli 2026 abgeschlossen. Drei neue Minister wurden ernannt: Carsten Linnemann übernimmt das Gesundheitsministerium, Steffen Bilger das Verkehrsressort und Nina Warken das Kanzleramt. Verkehrsminister Patrick Schnieder musste gehen – er wurde von Merz noch im Urlaub angerufen und entlassen.
Thorsten Frei mit starkem Ergebnis zum Fraktionschef gewählt
Am Nachmittag wählte die Unionsfraktion Thorsten Frei (52, CDU) mit 170 von 185 Stimmen (92 Prozent) zum neuen Fraktionsvorsitzenden. Er löst Jens Spahn ab, der wegen der sogenannten Leihmutter-Affäre zurücktreten musste. Frei ist ein enger Vertrauter des Kanzlers. Sein Vorgänger Spahn hatte im Frühjahr 86,5 Prozent erreicht, Merz selbst als Fraktionschef 98 Prozent im Jahr 2025.
Befürchteter Denkzettel bleibt aus
Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Frei stellvertretend für Merz' harten Umbau abgestraft werden könnte. Doch die Wahl verlief glatt. In einer Fraktionssitzung erklärte Merz laut BILD-Informationen: „Ich habe mir den Zeitpunkt nicht selbst ausgesucht. Ich bedauere die entstandenen Probleme. Der Kabinettsumbau war nötig. Ich bitte um Verständnis, und falls es Verletzungen gab, dann wollen wir sie jetzt heilen.“
Kritik aus den eigenen Reihen
Junge-Union-Chef Johannes Winkel sprach ein Glaubwürdigkeitsproblem der CDU an, insbesondere bei den Themen Migration und Energie. Die Partei müsse stets den Eindruck erwecken, ihr Handwerk zu beherrschen. Zudem wurde Kritik laut, dass der Osten – vor den anstehenden Wahlen – besser in der Fraktion repräsentiert sein müsse.
Gemischte Stimmung in Berlin
Die Stimmung bleibt zwiespältig. Der entlassene Minister Patrick Schnieder wurde in seinem Ministerium mit stehenden Ovationen verabschiedet – eine respektvolle Geste, die manche als offene Kritik an Merz' Führungsstil werteten. Auch die neue Kanzleramtschefin Nina Warken ließ eine Spitze gegen ihren Vorgänger Thorsten Frei los: „Wir haben uns im Ministerium manchmal über das Kanzleramt geärgert. Ich hoffe, das wird nun weniger.“ Ob die Welle der Kritik Merz' anstehende Ferien trübt oder Ruhe einkehrt, bleibt abzuwarten.



