Jens Spahn hat seinen Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt. Der 46-jährige CDU-Politiker begründete den Schritt mit den Worten: „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste.“ Der Rücktritt erfolgt nach nur 14 Monaten im Amt und auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere.
Private Entscheidung mit politischen Folgen
Der Druck auf Spahn war in den vergangenen Tagen massiv gewachsen. Auslöser war die Nachricht, dass Spahn und sein Mann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – ein Gesetz, das Spahn selbst mitgetragen hatte. Auf dem CDU-Parteitag im Februar 2025 hatte er sich noch für das Verbot ausgesprochen, ohne seine eigene Situation zu offenbaren.
Spahn unterschätzte die Wucht der Empörung. Noch am Freitagnachmittag ging er davon aus, dass er die Krise aussitzen könne, wie er im „Bild“-Podcast von Paul Ronzheimer erklärte. Doch Bundeskanzler Friedrich Merz drängte ihn zum sofortigen Rücktritt, der keine 24 Stunden später folgte. Merz bezeichnete den Schritt als „richtig und unvermeidlich“.
Aufstieg und Fall eines politischen Schwergewichts
Spahn war im Mai 2025 mit einem starken Ergebnis von 91,3 Prozent zum Fraktionschef gewählt worden. Doch bereits zwei Monate später geriet er in die Kritik, als die Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht scheiterte. Ihm wurde angelastet, den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannt zu haben.
Trotz dieses Rückschlags stabilisierte sich Spahn im Herbst, als er einen Aufstand junger Abgeordneter gegen die Rentenreform abwehrte. Gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch trieb er das Reformpaket voran und stärkte die Fraktion als Machtzentrum neben dem Kanzleramt. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, sagte Spahn damals.
Lange Karriere mit Höhen und Tiefen
Spahn ist seit 2002 Mitglied des Bundestages – damals mit 21 Jahren der jüngste Abgeordnete der Union. Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach dem Wahlsieg der Union im Februar 2025 machte Merz ihn zum Fraktionschef, obwohl es zuvor Konflikte zwischen beiden gegeben hatte. Merz entschied sich gegen den loyalen Kanzleramtschef Thorsten Frei und für Spahn als „unbequemere Lösung“.
Die Affäre um den Kauf von Corona-Masken hatte Spahn bereits in der Vergangenheit verfolgt. Doch sein Beharrungsvermögen half ihm, diese Krise zu überstehen. Nun jedoch führte eine private Entscheidung zum jähen Ende seiner Führungsposition.
Ungewisse Zukunft
Ob Spahns politische Karriere endgültig beendet ist, bleibt offen. Ein Comeback in gehobener Position gilt angesichts des Glaubwürdigkeitsverlusts als kaum vorstellbar. Er könnte sein Bundestagsmandat behalten und auf die Hinterbank rücken, wo mit Ralph Brinkhaus bereits ein ehemaliger Fraktionschef sitzt. Alternativ stünde dem gelernten Bankkaufmann der Gang in die Wirtschaft offen, wo er bestens vernetzt ist. Spahn selbst hat klargestellt: Seine Familie hat nun Priorität.



