Stefan Evers (46) ist die neue Hoffnung der Berliner CDU. Der Finanzsenator und Kultursenator soll die Partei bei der Abgeordnetenhauswahl in zehn Wochen zum Erfolg führen. Nachdem Kai Wegner (53, CDU) am Freitagnachmittag die Spitzenkandidatur abgab, übernimmt Evers die Rolle des Spitzenkandidaten. Sein Ziel: den Abwärtstrend stoppen und den Chefsessel im Roten Rathaus für die Union sichern. Es wird vermutlich eine Dreier-Koalition geben.
Evers' politischer Stil: Klare Worte und Provokation
Auf den ersten Blick wirkt Evers bieder, doch er liebt klare, harte Worte – bis hin zur gezielten Provokation. Als „widerwärtiges Gesindel“ bezeichnete er Angreifer auf Polizisten und nannte die Linke „eine Bedrohung für die Demokratie“. Am 8. Mai, dem Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, marschierte er trotz Verbots mit einer Ukraine-Fahne zum russischen Ehrenmal und ließ sie sich nur unter Protest abnehmen.
Im Juni postete er auf X ein Foto seiner Musikauswahl im Auto: „Unterwegs auf der Sonnenallee, die Fenster weit offen, hebräischer Pop aufgedreht – da kommt Stimmung auf.“ Die Sonnenallee in Neukölln ist ein Stadtteil mit vielen arabischen Migranten.
Privates und Kindheitsträume
Auf Instagram gibt Evers private Einblicke. Er ließ ein Schultütenfoto von sich posten und verriet, dass er Sport hasste, aber Geschichte liebte. Als Kind träumte er davon, Pilot zu werden. Heute sagt er: „So ist das mit Träumen. Sie verändern sich, doch wichtig ist, dass man Herausforderungen annimmt und mit ihnen wächst.“
Loyalität und Wahlkampf
Evers war stets loyal gegenüber Wegner. Mit Blick auf die Wahl spitzte er zu: „Jetzt geht es um unsere Stadt. Übernehmen Radikale die Macht? Die oder wir – darum geht’s.“ Schon bei der Wahl 2023 setzte er auf eine Kampagne mit Klartext-Botschaften („Berlin, du musst endlich funktionieren“), die die CDU auf überraschende 28,2 Prozent katapultierte. Damit zog die Partei nach 22 Jahren wieder ins Rote Rathaus ein.
Evers ist nicht nur in der Partei umtriebig, sondern auch auf Sommerfesten ein gern gesehener Gast. Er kommt allein, ohne seinen Mann, und umgibt sich mit seinem engen Team. Privat cruist er oft im Motorboot über Berliner Gewässer. Kritik an seiner Personalie gibt es kaum – weder in der eigenen Partei noch in anderen. Höchstens, dass er trotz markiger Sprüche bisweilen zu viel Beißhemmung habe und nicht der Typ sei, der Menschen umarme. Das konnte der scheidende Bürgermeister Wegner: mit jedem plaudern und immer alles versprechen.



