Friedrich Merz hat sich entschieden: Thorsten Frei, bisher Kanzleramtsminister, soll neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden. Die Nominierung erfolgte am heutigen Tag und galt als erwartbar, da Frei als Favorit für die Nachfolge von Jens Spahn gehandelt wurde.
Ein erfahrener Fraktionsmanager kehrt zurück
Frei ist in der Fraktion bestens vernetzt und wird bei der Wahl am kommenden Mittwoch voraussichtlich ein gutes Ergebnis erzielen. Unter den Abgeordneten genießt er hohes Ansehen, auch beim Koalitionspartner SPD. Als Parlamentarischer Geschäftsführer („Erster PGF“) erwarb er sich einen exzellenten Ruf und gilt als versierter Fraktionsmanager. In Zeiten geringer Umfragewerte für Union und SPD kann er diese Erfahrung nun nutzen.
Jens Spahn hatte als Fraktionschef große Fußstapfen hinterlassen. Selbst interne Kritiker bescheinigen ihm, die Interessen der 208 Unionsabgeordneten stets selbstbewusst vertreten zu haben. Frei muss nun an diese Leistung anknüpfen.
Die Zeit im Kanzleramt: eine gemischte Bilanz
Ob sich Frei während seiner 14 Monate im Bundeskanzleramt jemals richtig wohlfühlte, ist fraglich. Seine Amtszeit als Kanzleramtsminister lässt sich kaum als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Frei litt, ebenso wie Merz, unter mangelnder Regierungserfahrung. Beide hatten bis zum 6. Mai 2025 keinen einzigen Tag in einer Regierungsverantwortung gestanden – weder als Minister noch als Staatssekretär, weder auf Landes- noch auf Bundesebene. Wo sein Vorgänger Wolfgang Schmidt mit Detailwissen punktete, agierte Frei mitunter zu generalistisch.
Dennoch könnte Frei von seinen Erfahrungen im Kanzleramt profitieren. Die oft rigorose Haltung der Bundesländer hat er aus nächster Nähe kennengelernt. „Als große Erfolgsgeschichte lässt sich die Amtszeit des Kanzleramtsministers Frei kaum verkaufen“, kommentiert Daniel Friedrich Sturm.
Nachfolge im Kanzleramt noch offen
Bleibt die Frage, wer Frei als Kanzleramtsminister beerben wird. Die Vergangenheit zeigt, dass erfahrene Apparatsmenschen wie Frank-Walter Steinmeier oder Thomas de Maizière in dieser Rolle erfolgreich waren. Friedrich Merz hat nach eigenen Angaben eine Reihe von Kandidaten mit Exekutiverfahrung zur Auswahl.
Die Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden findet am Mittwoch kommender Woche statt. Frei dürfte dann offiziell die Nachfolge von Jens Spahn antreten.



