Jens Spahn, der Fraktionschef der Union, steht in der Kritik, weil er und sein Ehemann ein Kind mithilfe einer Leihmutter in den USA bekommen haben. Dies wirft Fragen nach Doppelmoral auf, da Spahn sich früher öffentlich gegen Leihmutterschaft ausgesprochen hatte. Doch trotz der Empörung könnte Spahn seine Position behalten.
Spahns Wandel in der Leihmutterschafts-Frage
Im Jahr 2015 schrieb Spahn in der Zeitschrift „GQ“: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Auch 2020, als er noch Gesundheitsminister war, verwies sein Ministerium kühl auf die Begründung des Gesetzgebers, ohne eine persönliche Position zu beziehen. Nun ist Spahn selbst Vater geworden – durch eine Leihmutter. Dieser Wandel wird ihm als Heuchelei ausgelegt.
Die Kritik aus den eigenen Reihen
Besonders aus dem konservativen Flügel der CDU kommen Rücktrittsforderungen. Ein CDU-Landeschef bezeichnete Spahn als „nicht mehr tragbar“. Spahn gilt als Galionsfigur der Erzkonservativen und wird oft mit einer Nähe zur AfD in Verbindung gebracht. Seine Leihmutterschaft untergräbt das Vertrauen seiner Zielgruppe und wird als Paradebeispiel für Doppelmoral gesehen: Wasser predigen, aber Wein trinken.
Warum Spahn dennoch überleben könnte
Trotz der heftigen Kritik gibt es Faktoren, die für Spahn sprechen. Erstens: Das Sommerloch sorgt für eine überdimensionierte Aufmerksamkeit, die nach Ende der Sommerpause schnell verblassen könnte. Zweitens: Innerhalb der Union ist es schwer, einen frischgebackenen Vater für die Familiengründung zu attackieren. Die Grünen haben keine klare Position zur Leihmutterschaft, und die AfD schweigt, da ihre Parteichefin Alice Weidel selbst in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt und Mutter ist.
Strategische Kommunikation
Spahn und Friedrich Merz setzten auf eine „kontrollierte Sprengung“: Sie gingen aktiv an die Medien. Spahn sagte der „Bild“-Zeitung: „Gott freut sich über jedes Kind.“ Diese Botschaft sollte die christliche Basis besänftigen. Doch im Sommerloch verpufft die Strategie, da keine anderen Themen die Schlagzeilen dominieren.
Ausblick
Es bleibt abzuwarten, ob Spahn seine Position als Fraktionschef behalten kann. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Kritik nachlässt oder sich verstärkt. Sollte er überleben, könnte er sowohl das Baby als auch den Fraktionsvorsitz behalten – und das Vertrauen der Wähler wäre wohl zweitrangig.



