Eigentlich war es ein aussichtsloses Unterfangen. Als sich Brandenburgs Linke Ende 2024 in Luckenwalde traf, um ihre Liste für die vorgezogene Bundestagswahl 2025 aufzustellen, war die Partei gerade aus dem Landtag geflogen. Im Bund lag sie bei 3,5 Prozent. Ein Ende schien nahe. Doch die Brandenburger Kommunalpolitikerin Christin Willnat trat damals an: Sie kandidierte für Listenplatz drei.
Der überraschende Einzug
Dass sie tatsächlich in den Bundestag einziehen würde, damit hatte Willnat selbst nicht gerechnet. „Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt sie rückblickend. Die Linke holte bei der Wahl 8,9 Prozent der Zweitstimmen und zog mit 64 Abgeordneten ins Parlament ein – darunter auch Willnat. Für die 42-jährige gebürtige Brandenburgerin begann damit ein neuer Lebensabschnitt.
Ankunft in Berlin: Leere Bürowände und neue Strukturen
Ihr Büro im Bundestag ist noch spärlich eingerichtet. „Die Wände sind leer, es gibt kaum Möbel“, beschreibt Willnat die Situation. „Aber das wird sich in den nächsten Wochen ändern.“ Sie teilt sich das Büro mit zwei weiteren Abgeordneten. Die Organisation läuft noch nicht rund, aber Willnat nimmt es gelassen: „Man muss sich erstmal zurechtfinden.“
Die Linke ohne Landtag: Ein schwieriger Neustart
Die Linke ist in Brandenburg nicht mehr im Landtag vertreten – ein herber Schlag für die Partei. Willnat sieht darin aber auch eine Chance: „Wir können uns jetzt ganz auf die Bundespolitik konzentrieren und neue Strukturen aufbauen.“ Die Arbeit im Bundestag sei anders als die Kommunalpolitik, die sie bisher betrieben hat. „Hier geht es um große Linien, nicht um den täglichen Kleinkram.“
Einsatz fürs Sojaschnitzel und weitere Themen
Ein Herzensthema ist für Willnat die Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik. Sie setzt sich für pflanzliche Alternativen ein, etwa das Sojaschnitzel. „Wir müssen die Agrarwende voranbringen und die Tierhaltung reduzieren“, fordert sie. Daneben beschäftigt sie sich mit sozialen Fragen, insbesondere der Bekämpfung von Kinderarmut. „Das ist ein Skandal in einem reichen Land wie Deutschland.“
Zeitmangel und Prioritäten
Für viele Dinge fehlt ihr schlicht die Zeit. „Ich habe noch nicht einmal alle Ausschüsse kennengelernt, in denen ich sitze“, gesteht Willnat. Sie priorisiert: „Wichtig ist mir, dass ich meine Reden gut vorbereite und die Anliegen der Menschen aus meinem Wahlkreis ernst nehme.“ Der Kontakt zur Basis ist ihr essenziell.
Fazit: Eine Quereinsteigerin mit klaren Zielen
Christin Willnat hat ihren Platz im Bundestag gefunden – auch wenn die ersten Wochen chaotisch waren. Sie will sich für eine soziale und ökologische Politik einsetzen. „Ich bin hier, um etwas zu bewegen“, sagt sie. Die leeren Bürowände sind dabei nur ein Symbol für den Neuanfang.



