Unbekannte Täter haben auf dem Kieler Südfriedhof zehn alevitische Gräber mit roter Farbe besprüht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, da ein religiöser Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann. Die Tat ereignete sich zwischen dem 18. und 22. Juni 2026, wie die Polizei mitteilte.
Staatsschutz ermittelt wegen Störung der Totenruhe
Neben der Sachbeschädigung wurde auch Strafanzeige wegen Störung der Totenruhe erstattet. Eine Polizeisprecherin erklärte, dass „ähnlich gelagerte Fälle“ bislang nicht bekannt seien. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, um die Täter zu identifizieren und das Motiv zu klären.
Alevitische Gemeinde zeigt sich bestürzt
Die alevitische Gemeinde in Kiel reagierte mit Entsetzen auf die Schändung der Grabstätten. Deniz Kaşal, stellvertretender Bundesvorsitzender der alevitischen Gemeinde, äußerte sich auf Instagram: „Wer die Grabstätten einer religiösen Minderheit schändet, verletzt nicht nur die Würde der Verstorbenen und die Gefühle der Angehörigen, sondern auch das Sicherheitsgefühl einer ganzen Gemeinschaft.“ Die Gemeinde fordert eine umfassende Aufklärung des Vorfalls.
Hintergrund: Aleviten in Schleswig-Holstein
Die alevitische Gemeinde in Kiel zählt rund 500 Mitglieder und ist eine von fünf alevitischen Gemeinden in Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Gemeinde leben im Norden etwa 20.000 Aleviten, davon rund 3.000 in der Landeshauptstadt. Die Schändung der Gräber hat daher eine besondere Tragweite für die Gemeinschaft.
Die Polizei bittet Zeugen, die im Tatzeitraum verdächtige Beobachtungen auf dem Südfriedhof gemacht haben, sich zu melden. Die Ermittlungen dauern an.



