Der Prignitz-Express RE6 verbindet die Städte Perleberg, Pritzwalk, Wittstock und Neuruppin nur einmal pro Stunde mit Berlin. Während andere Kreisstädte wie Lübben, Eberswalde oder Oranienburg von einem dichten Takt profitieren, bleibt die Ostprignitz abgehängt. Brandenburgs Grüne, SPD und CDU fordern nun gemeinsam eine deutliche Verbesserung der Bahnanbindung.
Ungleicher Takt: Ostprignitz abgehängt
Der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Clemens Rostock, kritisierte am Dienstag in Potsdam die mangelnde Attraktivität der Bahnverbindung für Neuruppin. „Mit Blick auf Lübben, Eberswalde oder Oranienburg wird deutlich, dass die Attraktivität der Bahnverbindung für Neuruppin aktuell deutlich hinter denen vergleichbarer Städte hinterherhinkt“, sagte Rostock.
In Eberswalde verkehren der RE3 und die RB 24 im Halbstundentakt nach Berlin, zusätzlich halten dort ICEs. Von Lübben aus fahren der RE2, der RE20 und der RE7 – wenn auch auf unterschiedlichen Strecken und mit unterschiedlichem Tempo – sogar alle 20 Minuten in die Hauptstadt. Die Ostprignitz hingegen muss mit einem einzigen stündlichen Zug vorliebnehmen, der über eine eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke mit wenigen Ausweichstellen führt.
Der lange Weg des RE6 nach Berlin
Die Reise von Neuruppin nach Berlin gestaltet sich umständlich: Der RE6 fährt zunächst nach Kremmen und Hennigsdorf, wo laut Fahrplan Anschluss an die Berliner S-Bahn-Linie S 25 bestehen soll. Anschließend geht es über den westlichen Berliner Außenring nach Falkensee, dann über Berlin-Spandau zum Endpunkt Berlin-Charlottenburg. Diese Route ist nicht nur lang, sondern auch störanfällig.
Besonders der Anschluss in Hennigsdorf wird häufig verpasst. Die „Berliner Zeitung“ prägte dafür den Begriff des „Teletubbie-Anschlusses“, weil die Fahrgäste auf dem Bahnsteig oft nur noch dem Zug hinterherwinken können. „Es geht hier nicht um irgendeine Luxusfrage, sondern um die Schaffung eines anständigen Angebots, das bisher nicht vorhanden ist“, betonte Grünen-Chef Rostock. „Neuruppin als Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums darf nicht länger mit dem bestehenden, schlechten Angebot abgespeist werden.“
Geplante Verbesserungen lassen auf sich warten
Eigentlich sollte Neuruppin, das neben der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) auch zahlreiche Gerichte beherbergt, schon längst besser angebunden sein. Im Infrastrukturprogramm i2030 war für den RE6 ein Halbstundentakt vorgesehen. Über eine neu zu bauende Verbindungskurve bei Hennigsdorf und Berlin-Karow sollte der Zug dann nach Berlin-Gesundbrunnen geführt werden. Doch diese Baumaßnahmen sollen nach Angaben aus dem Frühjahr erst in den 2030er Jahren beginnen.
Der kürzlich wiedergewählte Landrat von Neuruppin, Ralf Reinhardt (SPD), setzt sich deswegen für eine alternative Route ein: Der Zug könnte über die private, derzeit teilweise nur im Güterverkehr bediente Strecke der „Regio Infra Nordost“ ab Neuruppin-Rheinsberger Tor über Herzberg (Mark), Löwenberg und Oranienburg nach Berlin-Gesundbrunnen verkehren. Die Verbindung von Hennigsdorf nach Neuruppin könnte bei diesem Modell die derzeit nur von Hennigsdorf nach Kremmen pendelnde RB55 übernehmen, sodass es dann zwei Verbindungen pro Stunde aus Neuruppin nach Berlin gäbe.
CDU mahnt verlässliche Perspektive an
Am Dienstag forderte auch die CDU-Verkehrspolitikerin Nicole Walter-Mundt bessere Verbindungen in die Region. „Der Prignitz-Express und die weitere Verbesserung der Bahnanbindung von Neuruppin und des gesamten Nordwestens Brandenburgs sind ein wichtiger Pfeiler des öffentlichen Nahverkehrs in der Region“, sagte die Abgeordnete aus Oranienburg. „Für uns bleibt das Ziel klar: Der ländliche Raum und die Metropolregion Berlin müssen zuverlässig und leistungsfähig miteinander verbunden sein.“
Walter-Mundt räumte ein, dass die allgemeinen Kostensteigerungen und die angespannte Haushaltslage das Land vor große Herausforderungen stellten. „Dennoch dürfen die Menschen in Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel und der Prignitz nicht ohne eine verlässliche Entwicklungsperspektive bleiben“, sagte sie. Es komme deswegen darauf an, in den Haushaltsverhandlungen im Herbst einen tragfähigen Weg für die nächsten Planungsschritte und die notwendige Kofinanzierung des Landes aufzuzeigen. „Der Ausbau der Verbindung bleibt für uns ein wichtiges verkehrspolitisches Anliegen“, betonte Walter-Mundt.



