Die Regierung von Oberbayern hat das Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingestellt. Obwohl Reiter nachweislich gegen beamtenrechtliche Pflichten verstoßen hatte, stuft die Behörde das Vergehen als „geringer Schwere“ ein. Bei Beamten im Ruhestand seien disziplinarische Maßnahmen nur bei schwerwiegenden Dienstvergehen zulässig, teilte die Bezirksregierung mit.
Pflichtverstoß durch nicht genehmigte Tätigkeit beim FC Bayern
Im Rahmen der Ermittlungen bestätigte sich, dass Reiter zumindest fahrlässig gehandelt hatte. Er übte seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat und später im Aufsichtsrat des FC Bayern München aus, ohne diese vorher anzuzeigen oder die erforderliche Genehmigung des Münchner Stadtrats einzuholen. Die Regierung von Oberbayern wertete dies als Verstoß gegen beamtenrechtliche Vorschriften. Zu seinen Lasten wurden seine Leitungs- und Vorbildfunktion, die mehrjährige Ausübung der Tätigkeit, die Vergütung sowie die erhebliche Außenwirkung angeführt.
Mildernde Umstände und öffentliches Eingeständnis
Zugunsten Reiters sprach, dass er durch die Tätigkeit keinen rechtlich nicht zustehenden Vermögensvorteil erlangt habe. Die Tätigkeit war öffentlich bekannt und wäre bei rechtzeitiger Antragstellung genehmigungsfähig gewesen. Reiter räumte das Fehlverhalten öffentlich ein und spendete die erhaltene Vergütung in Höhe von 90.000 Euro an soziale Projekte. Zudem hatte der Stadtrat die Angelegenheit politisch abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund sei der Verstoß zwar nicht unerheblich, aber auch nicht schwerwiegend, so die Behörde.
Rechtliche Grundlage für Ruhestandsbeamte
„Bei Ruhestandbeamten sind Disziplinarmaßnahmen aber gesetzlich generell nur bei schwerwiegenderen Dienstvergehen vorgesehen“, erklärte die Regierung von Oberbayern. Wäre Reiter noch im aktiven Dienst gewesen, hätte grundsätzlich ein Verweis oder eine Geldbuße in Betracht gezogen werden können. Die Entscheidung der Bezirksregierung bedeutet das endgültige Ende des Verfahrens.
Politische Folgen der Affäre
Die Affäre um die bezahlten Nebenämter beim FC Bayern war im Februar 2026, wenige Wochen vor der Kommunalwahl in München, publik geworden. Reiter trat daraufhin von seinen Ämtern beim Verein zurück und spendete die erhaltenen 90.000 Euro. Dennoch unterlag er bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 22. März 2026 überraschend deutlich seinem Herausforderer Dominik Krause von den Grünen. Noch am Wahlabend verkündete Reiter seinen Rückzug aus der Politik. Mit Krause zog erstmals ein Grüner ins Münchner Rathaus ein.



