Der Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat den Wahlkampf in der Hauptstadt dramatisch überschattet. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers, der selbst offen schwul lebt, will nun mit dem Thema Sicherheit punkten – und gezielt die queere Community ansprechen. In einem Gespräch vor einer Bar trank er zwar einen Shot auf ex, doch von Feierstimmung war er weit entfernt.
Sicherheit als zentrales Wahlkampfthema
Evers machte deutlich, dass die Sicherheit aller Bürger, insbesondere der LGBTQ+-Community, für ihn höchste Priorität habe. „Wir müssen queerfeindliche Gewalt konsequent bekämpfen“, sagte er mit Blick auf den jüngsten Anschlag. Der CDU-Politiker sieht sich als Anwalt für die Belange der queeren Menschen in Berlin und will dies im Wahlkampf offensiv nutzen.
Die Tat hatte am Rande der CSD-Feierlichkeiten stattgefunden und für Entsetzen gesorgt. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Menschen verletzt, der Täter konnte vorläufig festgenommen werden. Die Ermittlungen dauern an.
Evers' Strategie: Konservative Werte mit LGBTQ-Freundlichkeit verbinden
Stefan Evers, bisher Finanzsenator und Spitzenkandidat der Berliner CDU, versucht einen Spagat: Er möchte konservative Wähler halten, aber auch progressive Kräfte und die queere Szene ansprechen. Dass er selbst Teil dieser Community ist, verleiht ihm Glaubwürdigkeit. „Mir ist es wichtig, dass die CDU als moderne Volkspartei wahrgenommen wird“, erklärte er. „Dazu gehört, dass wir für die Sicherheit aller eintreten – egal, wen man liebt.“
Eine aktuelle Umfrage sieht die CDU in Berlin bei knapp 25 Prozent, dicht gefolgt von der SPD. Die AfD liegt bei 12 Prozent, die Grünen bei 16. Evers hofft, mit dem Thema Sicherheit und einer klaren Haltung gegen Extremismus und Queerfeindlichkeit weitere Wähler zu gewinnen.
Reaktionen aus der queeren Community
Die Reaktionen auf Evers' Vorstoß sind gemischt. Einige LGBTQ+-Aktivisten begrüßen das Engagement, sehen jedoch die CDU traditionell als nicht besonders queerfreundlich. „Es ist gut, dass ein Spitzenkandidat offen schwul ist und sich positioniert. Aber die CDU muss auch tatsächlich liefern, etwa bei der Unterbringung von queeren Geflüchteten oder dem Kampf gegen Diskriminierung“, sagte eine Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin.
Evers selbst betonte, dass Sicherheit nicht nur ein Thema für die Polizei sei. „Wir brauchen mehr Präventionsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen, dazu eine bessere Videoüberwachung an Brennpunkten. Und wir müssen Straftaten gegen queere Menschen härter bestrafen.“
Ausblick auf die Wahl
Die Berliner Landtagswahl findet am 26. September statt. Der Anschlag auf den CSD hat die Sicherheitsdebatte neu entfacht. Evers möchte diesen Moment nutzen, um sich als Führungsfigur zu profilieren. Ob ihm das gelingt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Wahlkampf ist nach dem Anschlag emotionaler und polarisierter denn je.



