Neukölln: Abriss von Schulgebäuden ab 2026 sorgt für Empörung bei Eltern und Schulen
Neukölln: Abriss von Schulgebäuden ab 2026 sorgt für Empörung

In Berlin-Neukölln sorgt der geplante Abriss von mehreren Schulgebäuden ab 2026 für erheblichen Unmut. Vertreter von Schulen und Elternvertretungen verließen empört eine Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Eine Besucherin sagte: „Sehr ernüchternd ist das“ und wandte sich an Bildungsstadträtin Janine Wolter (SPD).

Abrissliste umfasst zehn Schulen

Das Bauamt des Bezirks hat eine interne Liste erstellt, die den Abriss älterer Bestandsgebäude an insgesamt zehn Schulen vorsieht. Bei den betroffenen Gebäuden handelt es sich größtenteils um sogenannte MUR-Bauten – temporäre Schulergänzungsbauten für mobile Unterrichtsräume. Viele dieser Gebäude stehen laut Bezirkssprecher Christian Berg leer, ihre baurechtliche Genehmigung sei abgelaufen. Allerdings werden nicht alle Gebäude nicht mehr genutzt. An der Schule am Bienenwaldring befindet sich ein Ergänzungsbau mit 30 Plätzen, der für geistig behinderte Kinder mit dem Förderschwerpunkt Autismus genutzt wird.

Schulleiterin: Verlegung „nicht hinnehmbar“

Schulleiterin Cornelia Philipp kritisierte die Pläne des Bezirks, die betroffenen Schüler an einen alternativen Standort an der Schillingschule zu versetzen, als „nicht hinnehmbar“. Die Schüler bräuchten diesen geschützten, besonderen Ort. Einige Eltern hätten bereits Klagen angekündigt. Der Bezirk argumentiert mit einem Sparzwang: Neukölln kämpfe mit einem enormen Defizit und müsse im aktuellen Doppelhaushalt rund 20 Millionen Euro einsparen. Aus Sicht des Bauamts biete die Schullandschaft Einsparpotenzial, da Neukölln historisch bedingt pro Schulkind deutlich mehr Quadratmeter Fläche als der Berliner Durchschnitt habe. Eine Verlängerung der Genehmigungen sei mit hohen Kosten verbunden.

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Bezirksbürgermeister verteidigt Sparmaßnahmen

Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) begründete das Vorgehen beim Bildungsausschuss Anfang Juli, der wegen des großen Andrangs im BVV-Saal des Neuköllner Rathauses stattfand. Rund 70 Menschen versammelten sich in dem klimatisierten Saal. Hikel erklärte, der Bezirk müsse jetzt handeln, um in den kommenden Jahren wieder finanziell handlungsfähig zu werden. Mit der Streichung der „Überhänge“ sollen sofortige Nebenkosten bei der Bewirtschaftung eingespart werden. Erst mit einer Verzögerung von etwa zwei Jahren würden sich die Entlastungen im bezirklichen Budget bemerkbar machen.

Kritik: Fehlende Schulentwicklungsplanung

Der Hauptkritikpunkt der Schulen ist, dass ihnen die Abrisspläne nicht rechtzeitig mitgeteilt wurden und eine Schulentwicklungsplanung des Bildungsamtes fehle. Cordula Schröder, Schulleiterin der Hans-Fallada-Schule, erfuhr nur am Rande einer Sitzung, dass der Ergänzungsbau an ihrer Schule mit sonderpädagogischem Schwerpunkt abgerissen werden soll. Bis heute habe man nicht inhaltlich mit ihr gesprochen. Sie fragte: „Sollte man nicht zuerst die Schulentwicklung planen, bevor man Potenziale für den Rückbau entwickelt?“ und erntete dafür lautes Klopfen. Bildungsstadträtin Wolter räumte ein: „Die Kritik, dass der Schulentwicklungsplan noch nicht vorliegt, ist absolut nachvollziehbar.“ Das bedeute aber nicht, dass das Schul- und Sportamt keinen Plan habe. Das Vorhaben, gemeinsam mit dem Bezirksamt Ordnung in das Chaos zu bringen, sei an diesem Abend jedoch nicht aufgegangen.

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