Fast die Hälfte aller Beschäftigten in Bayern möchte einer repräsentativen Umfrage zufolge vorzeitig in Rente gehen. Laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“ planen 47 Prozent der Arbeitnehmer im Freistaat einen vorgezogenen Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Nur 31 Prozent beabsichtigen, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten, während neun Prozent sogar darüber hinaus tätig sein wollen. Die Umfrage wurde vom Iges Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK durchgeführt und basiert auf einer Forsa-Befragung von gut 1.000 bayerischen Beschäftigten, darunter die Hälfte über 50 Jahre alt, aus dem November 2025.
Alter und Gesundheit als entscheidende Faktoren
Der Wunsch nach einem frühen Renteneintritt steigt mit zunehmendem Alter und schlechterem Gesundheitszustand. „Viele ältere Beschäftigte möchten aus dem Berufsleben ausscheiden, weil die gesundheitlichen Belastungen zunehmen“, erklärte DAK-Landeschef Rainer Blasutto. So möchten 53 Prozent der über 50-Jährigen – also gut jeder Zweite – früher in Rente gehen, während es bei den Jüngeren nur 44 Prozent sind. Der Gesundheitszustand spielt eine zentrale Rolle: Über alle Altersgruppen hinweg wollen nur 45 Prozent der fitten Arbeitnehmer vor dem gesetzlichen Rentenalter aufhören, bei Personen mit gesundheitlichen Problemen sind es 58 Prozent. Paradoxerweise sind es jedoch gerade die gesundheitlich Angeschlagenen, die aus finanziellen Gründen oft gezwungen sind, möglichst lange zu arbeiten.
Wertschätzung als Schlüssel zum längeren Verbleib
Der DAK-Report zeigt auch, welche Faktoren ältere Arbeitnehmer dazu bewegen könnten, länger im Beruf zu bleiben. Neben einer guten Bezahlung und angepassten Arbeitsbedingungen ist vor allem Wertschätzung durch Vorgesetzte ein wichtiges Kriterium. Allerdings erfährt diese Altersgruppe nur gut zur Hälfte (tendenziell) ein hohes Maß an Anerkennung. Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung einer wertschätzenden Führungskultur für die Verlängerung der Lebensarbeitszeit.
Ältere seltener, aber länger krankgeschrieben
Neben der Umfrage wurden auch die Arbeitsunfähigkeitsdaten von 337.000 bayerischen Versicherten der DAK ausgewertet, die als repräsentativ gelten. Demnach sind über 50-Jährige zwar deutlich seltener, aber dafür jeweils länger krankgeschrieben, was insgesamt zu mehr Fehltagen führt. Im Jahr 2025 kamen auf jeden versicherten Erwerbstätigen über 50 Jahren im Schnitt rund 24 Fehltage – bei den Jüngeren waren es nur 15. Der Krankenstand in der älteren Gruppe liegt in Bayern mit 6,6 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent. Dennoch zeigt sich, dass ab Anfang/Mitte 50 auffällig viele Fehlzeiten hinzukommen. Ab dem Alter von 64 Jahren beträgt der Krankenstand der im Freistaat Beschäftigten im Schnitt neun Prozent – das heißt, an jedem Tag sind neun von 100 Arbeitnehmern in diesem Alter krankgeschrieben. Bei den über 67-Jährigen sinkt der Wert rapide, da nur überwiegend Gesunde im Job verbleiben.
Politische Pläne zur Anhebung des Rentenalters
Die Bundesregierung plant derzeit, das gesetzliche Renteneintrittsalter anzuheben. Aktuell liegt es je nach Jahrgang zwischen 65 und 67 Jahren; wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann, darf ohne Abschläge etwas früher gehen. Künftig soll die Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung angepasst und voraussichtlich alle zehn Jahre um sechs Monate angehoben werden. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen den politischen Vorhaben und den Wünschen der Arbeitnehmer: Fast die Hälfte der Beschäftigten in Bayern möchte vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, was die geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit infrage stellt.



